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Mittwoch
09.09.2020

Medien / Publizistik

«Selbstverständlich wird die Berichterstattung über das lokale Bühnenschaffen von unserer Redaktion in Zürich bearbeitet», sagt «Tagi»-Co-Chefredaktorin Priska Amstutz.

Der neu lancierte «Züritipp», das reorganisierte Super-Ressort «Leben» oder der Artikel-Import von der «Süddeutschen Zeitung»: Die Kulturberichterstattung der Tamedia-Zeitungen stand in letzter Zeit immer wieder in der Kritik. 

Vor allem in Theaterkreisen regte sich in den letzten Monaten Unmut. Das Zürcher «sogar theater» sprach davon, dass die Berichterstattung über Kulturveranstaltungen schleichend abgebaut würde. Im Juli forderten die Theatermacher von der Tamedia-Spitze: «Es reicht - für ein solides Feuilleton!»

Konfrontiert mit dieser Kritik sagte Priska Amstutz, Co-Chefredaktorin «Tages-Anzeiger», gegenüber dem Klein Report: «Die Kulturberichterstattung hat nach wie vor einen hohen Stellenwert bei uns.» So sei man derzeit dabei, «verschiedene neue Formate und Gefässe» zu entwickeln, auch für den «Tages-Anzeiger».

«Ebenso bauen wir unseren Online-Auftritt aus und setzen vermehrt auf Empfehlungen in den sozialen Medien», so Amstutz weiter. Die «Tagi»-Co-Chefredaktorin leitet auch die Redaktion des «Züritipps», der letzte Woche neu lanciert worden ist.

«Darüber hinaus unterstützen wir die Kulturbetriebe auch verlagsseitig. So arbeiten wir mit den meisten Zürcher Theater- und Kulturhäusern seit Jahren regelmässig via Medienpartnerschaften und ‚Carte Blanche‘-Angeboten eng zusammen.»

Besonders sauer stiess den Bühnenschaffenden auf, als im Vorfeld der Neulancierung des «Züritipps» das Gerücht die Runde machte, dass die Sparte «Theater und Tanz» abgeschafft werden soll.

Priska Amstutz dazu: «Die Sparte wurde nicht abgeschafft. Im neuen ‚Züritipp‘ finden redaktionelle Empfehlungen weiterhin auf einer eigenen Seite namens ‚Vorspiel‘ statt.» Neben dieser regelmässigen Seite gebe es auch weitere Möglichkeiten, über Premieren, Regisseure und andere Aspekte dieser Kultursparte zu berichten.

Auch das neue Super-Ressort «Leben» stiess auf Kritik in der Kulturszene. Durch die Reorganisation hatte die Mantelredaktion von Tamedia die ehemaligen Ressorts Wissen, Kultur und Gesellschaft zu Teams mit gleicher Leitung degradiert, wie der Klein Report im März gestützt auf eine interne Mail berichtete.

In dem Mail von Arthur Rutishauser, Chefredaktor der Tamedia-Redaktion, hiess es weiter: «Die klassische Kulturberichterstattung wird in den nächsten Wochen in Umfang und Form neu definiert.»

Ein solcher Satz mochte den einen oder die andere aufhorchen lassen. Dass aber im neuen Super-Ressort das Feuilleton mit anderen Ressorts zusammengeschlossen werden sollte, machte manchen Kulturinteressierten skeptisch. Im «Tagi» werde künftig nur noch stark verknappt über Kultur in dieser allgemeinen Rubrik «Leben» berichtet, einer unverbindlichen Sammelrubrik für alles mögliche, so wie man das aus Gratiszeitungen kenne, so eine Befürchtung.

«Die frühere Ressortorganisation orientierte sich in erster Linie an der gedruckten Zeitung und entsprach nicht mehr den neuen vorwiegend digitalen Anforderungen», sagte Priska Amstutz, angesprochen auf diese Bedenken.

Durch die interne Neuorganisation seien die Bereiche Wissen, Kultur, Gesellschaft und Service «gestärkt» worden. «Nun können in Themenfeldern, die von unseren Leserinnen und Lesern stark nachgefragt werden, Synergien genutzt werden, durch welche die Berichterstattung mehr Tiefe und Hintergrund erhält. Etwa: Medizin und Gesundheit oder Kultur und Gesellschaft. Ansonsten hat sich für unsere Leserschaft nichts geändert.»

Und schliesslich geriet auch noch die Übernahme von Feuilletonartikeln von der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) ins Fadenkreuz. «Viele Texte» würden per Flatrate-Vertrag aus München übernommen, krittelte die «Wochenzeitung» vor Kurzem.

Auf den Wunsch des Klein Reports, den Kultur-Import aus Süddeutschland grob zu beziffern, sagte Priska Amstutz: «Mit der ‚Süddeutschen Zeitung‘ verbindet uns eine langjährige Kooperation im Korrespondentennetzwerk. Der Austausch von Artikeln findet gegenseitig statt, wir übernehmen die Texte jedoch nicht einfach eins zu eins, sondern achten darauf, dass sie insbesondere sprachlich so aufbereitet werden, dass sie zum ‚Tages-Anzeiger‘ passen und den Bedürfnissen unserer Leserschaft entsprechen.»

Und sie ergänzte: «Selbstverständlich wird die Berichterstattung über das lokale Bühnenschaffen von unserer Redaktion in Zürich bearbeitet.»