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Donnerstag
07.10.2021

Vermarktung

Die digitale Werbebranche in der Identitätskrise: «Aktuell gibt es keine definitive Lösung für das Cookie-Problem», sagt Moritz Schneider. (Bild zVg)

Im Januar übernimmt Moritz Schneider die Geschäftsführung von Mediaschneider Zürich von seinem Vater Urs Schneider

Im Gespräch mit dem Klein Report spricht der zukünftige CEO über die derzeitigen Herausforderungen im Media-Business, über das Coockie-Ende und über die Zirkulation zwischen Vater und Sohn.

Als Ihr Vater die Mediaschneider gegründet hat, waren Sie 16 Jahre alt. Was haben Sie sich als Teenager zum Job Ihres Vaters gedacht?
Moritz Schneider
: «Ehrlich gesagt hat mich die Media-Branche als Teenager nicht gross interessiert.»

Wie kam es, dass Sie sich dann doch für einen Beruf im Media-Business entschieden haben?
Schneider: «Im Herbst 2011 suchte Mediaschneider Unterstützung im Bereich Onlinewerbung. Ich war damals Bachelorstudent an der Uni und habe in Teilzeit ausgeholfen. Wir hatten damals gerade den ersten eigenen Adserver lizensiert. Mich hat insbesondere der technische Aspekt der Onlinewerbung interessiert.»

Was speziell haben Sie von Ihrem Vater lernen können?
Schneider: «Ich habe von meinem Vater insbesondere viel über Zielgruppen und Statistik lernen können. Natürlich hat mich sein direkter und persönlicher Führungsstil auch nachhaltig geprägt.»

Und was hat Ihr Vater von Ihnen gelernt?
Schneider: «Ich denke, ich konnte bei Urs einige Vorbehalte über die Wirksamkeit digitaler Werbung abbauen.»

Wie unterscheiden sich die Bedingungen auf dem Markt heute im Vergleich zu den Zeiten, als Mediaschneider gegründet wurde?
Schneider: «Ich würde sagen, dass sich der Medienmarkt in den letzten zwanzig Jahren durch die Digitalisierung extrem gewandelt hat. Das heutige Mediennutzungsverhalten unterscheidet sich gerade durch die Verbreitung von Smartphones und mobilem Internet markant.»

Das Ende der Cookie-Ära bewegt die Media-Welt. Wie reagiert Mediaschneider auf die neuen Spielregeln?
Schneider: «Das Ende der 3rd-Party-Cookies ist ein Teil der sogenannten Identitätskrise der digitalen Werbebranche. Aktuell gibt es keine definitive Lösung für das Cookie-Problem. Wir setzen hier auf verschiedene Ansätze: Direkte Beziehungen zu Publishern, First Party Data unserer Kunden, ID-Lösungen wie die One-Log-Allianz, Lösungsansätze aus der Privacy-Sandbox-Initiative von Google und Contextual Targeting.»

Wo sehen Sie die grössten Herausforderung für die Branche in den nächsten zehn Jahren?
Moritz Schneider: «Einerseits ist es die zunehmende Vielfalt und Anzahl der Media-Kanäle (beispielsweise Connected TV), andererseits ist der Umgang mit Daten eine zunehmende Herausforderung. Auch das Finden von Talenten ist zunehmend schwierig.»

In Zürich saugt Google als Arbeitgeber viele qualifizierte IT-Fachkräfte an, der Arbeitsmarkt ist sehr umkämpft. Wie sieht das aus Sicht von Mediaschneider und Hoy aus?
Schneider: «In Zürich hat Google den grössten Entwicklungsstandort ausserhalb der USA, was sich sicherlich positiv auf die Attraktivität von Zürich als Arbeitsort auswirkt. Von daher sehen wir das eher als Chance.»

Was ist Ihre Strategie als neuer CEO für die Zukunft des Familienunternehmens?
Schneider: «Wir haben in diesem Jahr drei strategische Stossrichtungen definiert. Diese sind Konvergenz über alle Medien, Data-Driven und Talentmanagement.»

Was wird die Rolle Ihres Vaters in Zukunft sein?
Moritz Schneider: «Urs wird sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und weiterhin als Verwaltungsratspräsident fungieren. Natürlich werde ich ihn bei der einen oder anderen Gelegenheit um Rat fragen.»