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Montag
22.02.2021

Medien / Publizistik

Chief Operating Officer Jann Jenatsch: «Es gibt immer weniger Kunden und der Preisdruck nimmt zu.»

Die Keystone-SDA steckt in schweren finanziellen Nöten. Zahlreiche Sparrunden und der Absprung von Grosskunden haben der Nachrichtenagentur zugesetzt. Neue Hilfsgelder von Vater Staat verschaffen der gebeutelten Agentur zwar ein wenig Luft, doch damit ist die Finanzierungsfrage noch lange nicht geregelt.

Aus diesem Anlass hat der Klein Report einen Fragenkatalog an Ueli Eckstein, Verwaltungsratspräsident der Keystone-SDA, geschickt. Doch Eckstein, der daneben noch bei der TX Group beschäftigt ist, sah sich offenbar nicht in der Pflicht, strategische Fragen zur Keystone-SDA zu beantworten. Stattdessen hat er die Fragen des Klein Reports zwei Hierarchiestufen hinuntergereicht und den Chief Operating Officer Jann Jenatsch Stellung beziehen lassen.

Deshalb folgen hier nur Fragen zum operativen Geschäft der Nachrichtenagentur. Die übrig gebliebenen Fragen wird der Klein Report erneut an ausgewählte Mitglieder des Verwaltungsrates stellen.

Der Klein Report weiss, dass die Spitze der Keystone-SDA zurzeit in Verhandlungen mit der grössten Aktionärin, der Austria Presse Agentur, und mit dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) über die Zukunft der Agentur ist. Was können Sie zu den Fortschritten in den Gesprächen sagen?
Jann Jenatsch: «Es ist richtig, dass Gespräche geführt werden, spruchreif ist jedoch nichts. In der Politik wird das Thema Förderung auch mit der Frage des Aktionariats und der allfälligen Ausschüttung von Dividenden diskutiert. Auch diese Fragen sind Teil der Diskussionen im Verwaltungsrat.»

Die aufmerksamen Leserinnen und Leser des Klein Reports wissen: Das Aktionariat der Nachrichtenagentur setzt sich zurzeit aus den folgenden Personen und Organisationen zusammen: Austria Presse Agentur (30 Prozent), TX Group (20,56 Prozent), NZZ-Mediengruppe (7,98 Prozent), SRG (7 Prozent) und Médias Suisse (6,84 Prozent). Der restliche Anteil (27,62 Prozent) besitzen weitere Schweizer Medien und Privatpersonen.

Inwiefern wird der Staat auch in Zukunft eine Rolle bei der Finanzierung der Keystone-SDA spielen?
Jenatsch: «Die Konsolidierung der Medienlandschaft schreitet voran, es gibt immer weniger Kunden und der Preisdruck nimmt zu. Es wird immer schwieriger, in einem so kleinen Markt wie der Schweiz mit Journalismus Geld zu verdienen, das ist sattsam bekannt. Um die Medienvielfalt in unserem Land zu stützen, braucht es eine unabhängige, nationale Nachrichtenagentur mehr denn je und dabei wird die Unterstützung durch den Bund immer wichtiger.»

Die Keystone-SDA hat im vergangenen Dezember ein neues Angebot für Kleinverlage lanciert. Weshalb erst jetzt?  
Jann Jenatsch: «Wir stehen mit diesem Angebot erst am Anfang. Unser Ansatz ist die Vielfalt – mit dem Angebot sollen auch eigenständige Kleinstverlage auf ein gutes Informationsangebot zurückgreifen können und darauf ihre regionale Identität aufbauen können. Wir haben Rahmenbedingungen definiert, die es diesen eigenständigen Kleinstverlagen erlaubt, unsere Dienste zu abonnieren. Damit wollen wir die Medienvielfalt in unserem Land stützen, denn unter Vielfalt verstehen wir die Vielfältigkeit von verschiedenen Meinungen, eine Diskussion aus verschiedenen Perspektiven. Vielfalt heisst für uns aber auch, dass in allen Landesteilen ein einigermassen vergleichbares Grundangebot vorhanden ist.»

Hat die Agentur auf den Druck von kleineren Kunden reagiert?
Jenatsch: «Wir suchen immer Branchenlösungen, Druck wurde jedoch keiner ausgeübt. Es ist uns wichtig, nicht nur etwa ‚La Région’ in Yverdon an Bord zu haben, sondern auch andere lokale Player im Tessin oder in der Ostschweiz. Wir hoffen, dass sich möglichst viele Kleinstverlage für dieses Produkt begeistern können.»

Über eine lange Zeit konnten Ihre Kunden die Keystone-SDA-Inhalte über die Schweizer Mediendatenbank SMD abrufen. Nach dem Weggang von weiteren Grosskunden kam es zu einem Streit über diese Abrufmöglichkeit. Dieser Streit zwischen der Keystone-SDA und der SMD konnte nun beigelegt werden. Wie haben sich die beiden Seiten gefunden und was wurde vereinbart?
Jenatsch: «Es ist uns wichtig, dass seitens SMD der Zugriff auf unsere Meldungen nur aufgrund eines geprüften Logins und einer definierten Kundengruppe möglich ist. Die Gespräche mit der SMD haben gezeigt, wie wichtig es ist, unsere Distributionskanäle, unsere Filter und Logins zu überprüfen und wo notwendig zu erneuern. Wer unsere Inhalte nutzen will, muss dafür bezahlen. So überprüfen wir die Produktion der Nicht-Kunden laufend und durchforsten sie nach allfälligen Nutzungsverstössen. Wer geschützte Inhalte nicht bezahlt, fügt dem Urheber einen beträchtlichen Schaden zu und hat dafür Schadenersatz zu leisten, das gilt für alle Formen und für alle Formate.»

Bei der Frage, wie die Nachrichtenagentur ihre Kosten senken kann, ist unter anderem die Standortfrage aufgekommen. Momentan ist die Keystone-SDA gemäss Webseite an zwölf Standorten in der ganzen Schweiz präsent. Welche Regionalbüros sind von den Sparmassnahmen betroffen? Stehen Verkleinerungen der Bürofläche oder gar Schliessungen zur Debatte?
Jann Jenatsch: «Seit der Fusion sind wir daran, unser Unternehmen so stark zu verschlanken wie nur möglich. Die zwölf Standorte in der ganzen Schweiz sind dabei auch ein Thema – es geht jedoch nicht um die Aufhebung von Standorten, sondern viel mehr um die möglichst sinnvolle Nutzung dieser. In Chur beispielsweise werden wir das Büro künftig mit der Fundaziun Medias Rumantschas (FMR) teilen. Für uns ist klar, dass wir auch in Zukunft nicht auf unsere Standorte verzichten wollen. Die starke Präsenz in allen Regionen ist für uns wichtig. Doch die Corona-Pandemie hat eine Diskussion angestossen: Während für die einen das Arbeiten von zu Hause zur Routine geworden ist, freuen sich die anderen auf die Rückkehr ins Büro. Die Zukunft wird wohl ein hybrides Modell sein.»

Nach Informationen des Klein Reports war Keystone-SDA seit dem 16. März 2020 nie auf Kurzarbeit. Können Sie das bestätigen? Und hat Keystone-SDA je erwogen, Kurzarbeitsentschädigung zu beziehen?
Jenatsch: «Kurzarbeit war für uns kein Thema, im Gegenteil. Ich glaube, es ist uns gelungen, gerade in ausserordentlichen Zeiten mit einer auf allen Ebenen ausserordentlichen Berichterstattung für unsere Kunden da zu sein. Wir haben unter Beweis gestellt, dass wir in Krisenzeiten sehr gut funktionieren. Diese Verlässlichkeit ist für unsere Kunden zentral.»