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Mittwoch
03.02.2021

TV / Radio

«Ohne Kultur wird’s still»: SSM zeigt sich besorgt über SRG-weiten Abbau in der Kulturberichterstattung... (Bild © SRG)

Nicht nur bei SRF wird die Kultur zusammengestrichen. Auch Espace 2 und Rete Due bluten langsam aus. Jetzt schaltet sich das Syndikat Schweizer Medienschaffender (SSM) ins Streichkonzert ein.

Während die Musiker, Tänzerinnen und Kunstschaffenden gerade die grösste Krise seit Jahrzehnten durchstehen müssen, baut die SRG landesweit die Sparte Kultur um. Und baut Kultursendungen ab.

Kulturorganisationen haben die umstrittenen Pläne mitunter scharf kritisiert. Nun stossen sie auch auf den Protest der Gewerkschaft SSM, in der SRG-Mitarbeitende organisiert sind.

Man sei «besorgt», schrieb die Gewerkschaft am Dienstag und forderte die SRG auf, «den kulturellen Kahlschlag zu stoppen, die Konzession zu respektieren und das Personal besser in den Transformationsprozess miteinzubeziehen».

In allen Unternehmenseinheiten der SRG gab und gibt es Widerstand gegen den Abbau im Kulturbereich. Dicke Post erhielten Mitte Januar RSI-Direktor Maurizio Canetta, RSI-Kulturleiterin Cathy Flaviano, RSI-Radio-Chef Sergio Savoia, SRG-Verwaltungsrat und Corsi-Präsident Luigi Pedrazzini und SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina.

Den Protestbrief «zur Rettung von Rete 2» hatten 85 Prozent der RSI-Journalisten unterschrieben. «Aus Angst vor Repression» nur anonym, heisst es bei der Gewerkschaft zu der Aktion. SSM habe Unterschriften beglaubigt und die Protestnote den Granden von RSI und SRG präsentiert.

«Analog den grossen Schweizer Verlagshäusern unterwirft sich die SRG der Marktlogik und spart im grossen Stil bei der Kulturberichterstattung in allen Landesteilen», so die Kritik. 

In der Romandie wurde die Neukonzeption des Kulturradios Espace 2 bereits im Frühjahr 2020 abgeschlossen. Auf dem früheren Kultursender läuft nun ein Musikprogramm. Audio- und Videobeiträge finden sich vermehrt online zum Anklicken. 

Dasselbe blüht nun auch dem Kultursender Rete Due in der italienischsprachigen Schweiz. Das aufgegleiste Projekt «Lyra» sieht eine radikale Neuausrichtung des kulturellen Angebots vor. Wortbeiträge sollen deutlich reduziert und Hintergrundsendungen abgebaut werden.

Auch bei SRF Kultur nimmt der Abbau im Kulturbereich kein Ende. Mehr Sendungen, als im Herbst angekündigt, werden nun tatsächlich gestrichen. So sollen auch die Formate «Nachtflug» und «fiori musicali» wegfallen. Andere wie «Kulturplatz» und «Kontext» müssen sich neu ausrichten oder sie erhalten weniger Geld, zum Beispiel «DOK», «Sternstunden» und «Kulturplatz».

Die Verantwortlichen der SRG-Sender begründen die Einschnitte mit den Zwängen der digitalen Transformation und dem Ziel, ein jüngeres und breiteres Publikum anzusprechen. Für die Gewerkschaft ist dies ein «Deckmantel», unter dem die Kulturberichterstattung nun auch bei der SRG mehr und mehr an den Rand gedrängt würde. 

«Die SRG hat einen Leistungs-, Versorgungs- und Förderauftrag im Kulturbereich und muss auch ein Publikum abseits des Mainstreams bedienen.» Ob die SRG nach den Kahlschlägen diese Aufträge in Zukunft noch erfüllen kann, bezweifelt die Gewerkschaft.

«Die Kultur hält unsere Gesellschaft zusammen und ist gerade wichtiger denn je.»