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Montag
20.01.2020

Medien / Publizistik

Chefredaktor Simon Koechlin: «Es geht dem Verband nicht darum, wie viel Geld er mit einem Verkauf des Titels lösen könnte...»

Hundefreunde und Katzenliebhaber kommen auf dem neu lancierten Web-Auftritt der «Tierwelt» voll und ganz auf ihre Kosten: Wer sich wundert, weshalb seine Katze nachts ständig miaut, wird beispielsweise in der erweiterten Ratgeber-Rubrik fündig.

Doch auch Print ist für die «Tierwelt» kein Auslaufmodell: Im Interview mit dem Klein Report erklärt Chefredaktor Simon Koechlin, wie sich der Titel finanziell über Wasser hält und schildert die besondere Bedeutung des Magazins, das auch Verbandspublikation von Kleintiere Schweiz ist.

Was ist die markanteste Neuerung auf der Website?
Simon Koechlin: «Die Neuerung, die dem Nutzer sofort ins Auge springt, ist die modernere, übersichtlichere und nuterfreundlichere Gestaltung. Für uns ebenso wichtig ist aber, dass die Plattform nun wieder auf dem technisch neuesten Stand ist und unseren Online-Redaktoren viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet.»

Was finden die Leserinnen und Leser in der ausgebauten Ratgeber-Rubrik?
Koechlin: «Wir haben in den letzten Jahren fast 1000 Artikel von unseren Autoren und Fachautoren gesammelt, die sich Fragen der Tierhaltung widmen, vor denen jeder Halter irgendwann einmal steht: Wie trainiere ich den Rückruf bei meinem Hund? Was ist los, wenn meine Katze nachts ständig miaut? Können Meerschweinchen draussen überwintern? Diese Artikel haben wir endlich so geordnet, dass Leserinnen und Leser sie themenspezifisch durchstöbern können.»

Wie handhabt es die «Tierwelt», dass die Gratis-Kultur im Internet dem Print-Abo nicht das Wasser abgräbt?
Koechlin: «Wir beschränken uns auf jeweils drei bis vier Texte aus der Printausgabe, die am Donnerstag, möglichst mit einem Mehrwert wie Bildergalerie oder Video, auf unserer Website aufgeschaltet werden. Wer mehr lesen will, den laden wir ein, das Heft zu abonnieren.»

Wie entwickelten sich die Auflagen- und die Klick-Zahlen in den letzten zehn Jahren?
Simon Koechlin: «Im Print verzeichnen wir wie die meisten anderen Titel Rückgänge: 2009 hatten wir rund 72'000 verkaufte Exemplare, heute 52'000. Online waren wir 2009 bei 25'000 Unique Clients pro Monat, heute bei 83'000.»

Ist die Print-Ausgabe der «Tierwelt» längerfristig ein Auslaufmodell?
Koechlin: «Das glaube ich nicht. Das Print-Geschäft ist hart, aber ich bin überzeugt, dass der Markt vorhanden ist für ein gedrucktes, gut gemachtes Magazin, in dem alle Tierfreunde – vom Hundehalter über die Reiterhin bis zur Ornithologin – auf ihre Kosten kommen.»

Wie setzen sich die Einnahmen der «Tierwelt» zusammen?
Koechlin: «Die Einnahmen der ‚Tierwelt’ stammen zum allergrössten Teil aus den Abo-, Kleininserate- und Inserate-Einnahmen im Print. Genaue Umsatzzahlen gibt unsere Firma nicht bekannt.»

In dem von Konzentration und Fusion gezeichneten Medienumfeld schaffte es die «Tierwelt» bisher, unabhängig zu bleiben. Ist die Unabhängigkeit in Stein gemeisselt? Und welche Rolle spielt der Verband Kleintiere Schweiz im Rücken?
Koechlin: «In der Medienbranche ist heute wahrscheinlich gar nichts mehr in Stein gemeisselt. Aber die ‚Tierwelt’ schreibt schwarze Zahlen und hat für den Verband Kleintiere Schweiz als Besitzer auch eine Bedeutung, die weit über eine blosse finanzielle Investition hinausgeht.»

…was meinen Sie damit?
Simon Koechlin: «Damit meine ich, dass es dem Verband eben nicht nur darum geht, wie viel Geld er mit einem Verkauf des Titels lösen könnte. Die ‚Tierwelt’ ist auch das Verbandsmagazin von Kleintiere Schweiz, sie informiert die Kleintierzüchterinnen und Kleintierzüchter über ihr Hobby und über das Verbandsgeschehen.»