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Donnerstag
05.05.2016

Medien / Publizistik

Bewegung in der Schweizer Medienforschung: Die Mediapulse und die Wemf planen ein gemeinsames Joint Venture zur «umfassenden, gattungsübergreifenden Datenbeschaffung, -verarbeitung und -analyse von onlinebasierten Mediennutzungsdaten», wie die beiden Forschungsorganisationen am Dienstag mitteilten. Doch was hält die Kommunikationswelt von der Idee? Der Klein Report hat bei den wichtigsten Verbänden und Branchenvertretern nachgefragt.

So sagt Catherine Purgly, Geschäftsführerin des Verbandes BSW Leading Swiss Agencies, gegenüber dem Klein Report: «Die Mediapulse ist eine Stiftung und die Wemf ist als Verein organisiert und beide arbeiten nicht gewinnorientiert. Es ist eine einmalige Chance, welche sich hier für den Schweizer Media-Markt bietet und bringt Vorteile, vor allem für die Werbeauftraggeber, welche von den neuen Daten profitieren werden.»

Dies sieht auch Roland Ehrler, Direktor des Schweizer Werbe- und Auftraggeberverbandes (SWA), so. Für ihn bildet das Joint Venture von Wemf und Mediapulse «ein starkes Fundament für die dringend vom SWA geforderte gattungsübergreifende Intermediaforschung», wie er dem Klein Report erklärt.

So seien alle von Wemf und Mediapulse erhobenen Nutzungsdaten im Bereich Fernsehen, Radio, Print und Kino wichtig, denn diese würden die Basis für die von den Werbevermarktern kalkulierten Mediapreisen bilden. «Nur haben die beiden Firmen bisher alle Daten autonom erhoben, mit der stark veränderten Mediennutzung der Konsumenten macht es viel Sinn hier vermehrt zusammenzuarbeiten», so Ehrler.

Und auch Alexander Duphorn, CEO der Goldbach Media Switzerland AG, lobt die Idee eines Joint Ventures: «Insbesondere in der Diskussion um Admeira und die allfällige einseitige Nutzung von zentrischen Nutzungsdaten wurde immer wieder gefordert, Daten dem ganzen Markt gleichermassen zur Verfügung zu stellen. Der `Swiss Media Data Hub` könnte hierfür die Lösung sein», erklärt er seine Sicht gegenüber dem Klein Report. Für den Markt sei letztlich wichtig, dass es nur eine einzige Währung gebe und diese von einer unabhängigen, wissenschaftlich begleiteten Instanz zur Verfügung gestellt werde.

Ebenfalls Zustimmung erhält das Projekt aus der Medienbranche. Für Andreas Häuptli, Geschäftsführer ad interim des Verbandes Schweizer Medien (VSM), schaffen Mediapulse und die Wemf «mit dem Zusammengehen eine gute technische und organisatorische Ausgangslage, um den Medienhäusern und dem Werbemarkt auch zukünftig verlässliche Daten zur Verfügung zu stellen». Dies sei eine wichtige Voraussetzung für das Vertrauen in die Schweizer Werbeträger und in seiner Konsequenz förderlich für eine grosse Medienvielfalt, so Häuptli zum Klein Report.

Unterstützung erhält er von Daniel Steiner, stellvertretender Leiter Unternehmenskommunikation bei der SRG: «Grundsätzlich steht die SRG allen Bemühungen der beiden grossen Währungsinstitute zur Verbesserung der Medienwährung und insbesondere hin zu konvergenten Währungen positiv gegenüber», führt er auf Anfrage des Klein Reports aus. Und auch Christoph Zimmer, Leiter der Unternehmenskommunikation der Tamedia, findet: «Die Weiterentwicklung der Online-Forschung ist für uns strategisch zentral. Der heutige Ausweis genügt den Anforderungen unserer Kunden nicht mehr, deshalb setzten wir uns seit Langem für eine Entwicklung einer neuen Währung ein.»

Ein weiteres zustimmendes Votum erhält das Joint Venture aus der Radiobranche. So sagt Jürg Bachmann, Präsident des Verbandes Schweizer Privatradios (VSP), zum Klein Report, dass es für den VSP «zentral» sei, dass dem Markt nur eine einzige Nutzungswährung zur Verfügung stehe. «Diese muss unabhängig erhoben und wissenschaftlich begleitet sein und allen zu gleichen Konditionen zur Verfügung stehen», so Bachmann zum Klein Report. Eine solche Währung biete die Voraussetzung für einen funktionierenden Werbemarkt. «Der VSP begrüsst deshalb das Projekt `Swiss Media Data Hub`.»