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Sonntag
17.03.2019

Marketing / PR

Dennis Lück alias «Chief Extermination Officer»: Spielerisch transformieren oder sterben

«Transform or die» war das Motto des Abends. Diese drei Worte standen auf einem Blatt Papier, das aus einer antiken Schreibmaschine auf der Einladungskarte schaute.

Über 300 Gäste folgten am Donnerstagabend dem Aufruf des Schweizer Werbe-Auftraggeberverbandes (SWA) und liessen sich nach der Einleitung von SWA-Präsident Roger Horlacher, der darauf hinwies, «dass Unternehmen massiv gefordert sind, sich zu verändern, ansonsten werden sie verändert», auf den Abgrund vorbereiten.

Das grosse schwarze Loch wurde vom Sensemann begleitet, der den vielen Kunden und Agenturleuten ziemlich «fadegrad» in seinem weltlichen Referat eine Ansage machte: «Die Götter müssen sterben», «Die Werbung muss sterben», «Die Angst muss sterben», «Die Idioten müssen sterben», «Die Kultur muss sterben», und «Die Zielgruppe muss sterben».

Der unter einer schwarzen Kutte verborgene Dennis Lück, der zurzeit kreativste Mensch der Schweiz, schoss im Sekundentakt Wortsalven ins Publikum. Die Gäste lachten und scherzten, man wurde gut unterhalten. Alle sechs Sterbepunkte wurden mit anschaulichen Kunden-Projekten von Jung von Matt/Limmat dargestellt. Dazwischen immer die Ruhe vor dem Sturm, die sublim über einen schwarz-weiss gedrehten Film mit einer kargen Akazie in einer verkarsteten Wüstenlandschaft die Grossleinwand bespielte. Dazu blies (akustisch) ein steifer Wind.

Und es war wirklich kein laues Lüftchen. «Checken die es eigentlich hier?», fragte ein Gast in der hintersten Reihe in der abgedunkelten Halle «Stage One» seinen Nachbarn. Keine Antwort.

«Der Tod», der ganz im Hier und Heute auf seiner Visitenkarte als «Chief Extermination Officer» in der Abteilung «Brands and Communications DACH Region» unterwegs ist, schwang die Sense auf der Bühne und zeigte munter eine Top-Performance der besten Arbeiten der Agentur - von der vielbeachteten Bergün-Kampagne mit dem Fotografier-Verbot bis zur «Relax we post» für die Ibis-Hotels, bei der die Jungen ihre Handys abgeben konnten, und die wurden wiederum von Influencern währenddessen «ge-sittet», analog zum Babysitting.

Vor Dennis Lück, der sich als Star des Abends entpuppte, sprachen Patrick Dixon, englischer Futurist und Chairman von Global Change, und Christof Baron, Global Head of Media von Sanofi. Baron, der unter anderem über «Werbung, die nervt» sprach, sieht das Thema Vertrauen als grösstes Problem der Branche. Die Kunden vertrauen den Botschaften der Unternehmen nicht. «Sell them the truth» und «The future is about emotion», findet Christof Baron.

Irgendwann dazwischen durfte auch noch SRG-Generaldirektor Gilles Marchand ein paar Sätze sagen, die seit etwa 20 Jahren immer gleich tönen, einfach aus einem anderen Anzug (Kutte) heraus gesprochen werden.

Wie jedes Jahr lud der Werbe-Auftraggeberverband seine Gäste am Ende zu einem reichhaltigen Stehdinner, das von SWA-Direktor Roland Ehrler und seinem Team organisiert wurde. Ehrler blüht mittlerweile zum Conférencier auf und vermittelt eloquent zwischen den unterschiedlichen Stimmen im Verband.