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Sonntag
26.05.2019

TV / Radio

Urs Fitze: «Können uns darauf konzentrieren, eine spannende Story zu verfilmen.»

Der Zürcher «Tatort» will mit alten Mustern der Schweizer Krimireihe brechen: «Der neue `Tatort` ist nicht mehr so stark der Realität verpflichtet», betonte Urs Fitze, Leiter Bereich Fiktion beim SRF.

Zusammen mit Lilian Räber, Leiterin Fernsehfilm bei SRF, erklärte er im Interview mit dem Klein Report das neue Konzept.

Herr Fitze, bei der Vorstellung des neuen `Tatort`-Duos mit den Schauspielerinnen Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher erklärten Sie, der `Tatort` sei in Zukunft nicht mehr so stark realitätsgebunden und damit freier. Was meinten Sie damit?
Urs Fitze
: «Das oberste Gebot lautet von nun an: Spannende und mitreissende Kriminalfälle auf die Bildschirme bringen. Dabei wollen wir uns klar vom `Tatort` in Luzern abgrenzen, bei dem es wichtig war, vor allem gesellschaftlich relevante Themen - beispielsweise Flüchtlinge oder Sterbehilfe - in die Story einfliessen zu lassen. In Zukunft gehen die Fälle stärker von den Figuren aus und sind schon deshalb weniger stark in der Realität verankert.»

Was erhoffen Sie sich vom neuem Konzept?
Fitze: «Durch eine derartige Ausrichtung bekommt die Fiktion, die erzählte Geschichte mehr Platz und wird freier. Weil wir uns vom früheren Sozialrealismus abgrenzen, können wir uns darauf konzentrieren, eine spannende Story zu verfilmen.»

Stand dieses Ziel auch bei der Wahl der beiden Kommissarinnen im Vordergrund?
Fitze: «Genau. Es war uns wichtig, dass die Autoren zuerst eine starke Vision definieren konnten und diese gründet natürlich wesentlich in der Schaffung der beiden Hauptfiguren. Dabei gab es von unserer Seite keine Einschränkungen. Während häufig zuerst bekannte Schauspieler ausgewählt werden und um diese herum eine Geschichte konstruiert wird, sind wir also einen anderen Weg gegangen. Zunächst wurden interessante Figuren kreiert, dann erst Schauspieler gecastet, die perfekt in diese Rollen passen.»

Frau Räber, was macht die Kommissarinnen Isabelle Grandjean und Tessa Ott als Figuren so stark, so spannend?
Lilian Räber: «Isabelle Grandjean ist eine Ermittlerin aus einer Arbeiterfamilie in der Westschweiz. Das bringt eine neue Perspektive, eine neue Sprache in die Geschichte. Und einen fremden Blick auf die Stadt Zürich. Diese Idee von zwei Figuren aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlicher Herkunft war schon ganz früh gesetzt.»

Und was ist mit Tessa Ott, Grandjeans Kollegin?
Räber: «Ott hingegen ist Zürcherin durch und durch. Am Züriberg geboren, brach sie früh mit ihrem Elternhaus, tauchte in die Subkultur der Stadt ab und liess sich danach zur Fallanalytikerin ausbilden.»

Zwei komplett gegensätzliche Charaktere also, Herr Fitze?
Urs Fitze: «Genau. Wir wollten von Anfang an eine Spannung zwischen den beiden Hauptfiguren aufbauen, die aber über die übliche Rivalität hinausgeht. Durch dieses Zusammenspiel der beiden wollen wir einen modernen `Tatort` in einem modernen Zürich zeigen.»

Auch die Produktion der beiden Folgen wird anders ablaufen. Was genau ändert sich?
Fitze: «Wir werden diese in der Tat in Doppelproduktion verfilmen und erhoffen uns davon Synergieeffekte. Zwei `Tatort`-Folgen an einem Stück zu drehen, ermöglicht konzentrierteres Arbeiten und bedeutet aus produktionstechnischer Sicht weniger Aufwand und geringere Kosten.»

Wie beurteilen Sie die Doppelproduktion, Frau Räber?
Lilian Räber: «Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass es für die Schauspieler extrem positiv ist, wenn sie gleich zu Beginn der Dreharbeiten lang und intensiv miteinander arbeiten. Das hilft ihnen, sich besser aufeinander einzustellen und steigert Kreativität und Qualität.»