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Montag
29.11.2021

Vermarktung

«Den grössten Hebel hierzu haben unsere Mitglieder mit Ihren Mediaaufträgen in der Hand!», sagt Roland Erler. (Bild zVg)

Im aktuellen «Media Preis-/Leistungsindex» haben Schweizer Werbe-Auftraggeber (SWA) und Leading Swiss Agencies (LSA) eine Preisinflation bei vielen Print-Titeln und einzelnen TV-Sendern nachgewiesen.

SWA-Direktor Roland Ehrler sagt im Gespräch mit dem Klein Report, wie der Verband auf die Preistrends reagiert. Und er warnt die TV-Sender und Printmedien davor, dass die Werbeauftraggeber ihre Mediaaufträge ins Web verlagern könnten.

Eine Kernaussage der Studie von SWA und LSA ist: «Eine Inflation ist somit in diesem Jahr auf Basis der offiziellen Preise bei vielen Printtiteln sowie auf den Planwerten einzelner TV-Sender nachweisbar.» Was gedenkt der SWA gegen die Preisinflation zu unternehmen?
Roland Ehrler
: «Der SWA ist im ständigen Dialog mit allen grossen Marktpartnern. Dabei fordern wir schon länger, dass die Medien ihre Preise den Leistungen im Werbemarkt anpassen, vor allem wenn es grössere Veränderungen wie weniger Leser oder Zuschauer gibt.»

Ist da schon etwas in Planung?
Ehrler: «Ringier Advertising hat gegenüber dem SWA angekündigt, die Bruttopreise für 2022 bei ihren Flaggschiffen ‚SonntagsBlick‘, ‚Schweizer Illustrierte‘ und ‚L'illustré‘ um 14 Prozent bis 17 Prozent zu reduzieren. Diesen Schritt begrüssen wir und erwarten, dass weitere Anbieter diesem Beispiel Folge leisten.»

Heute haben wir ja im Schweizer TV-Markt de facto ein Duopol mit der Vermarkterin Goldbach (TX Group) und Admeira, die heute dem privaten Anbieter Ringier gehört und die SRG und Teile von Swisscom vermarktet. Wie steht der SWA zu dieser Situation?
Roland Ehrler: «In der Tat haben wir faktisch ein Duopol in der Schweizer TV-Vermarktung. Neben Goldbach und Admeira gibt es nur noch die Belcom, welche zum Beispiel die Regionalsender von CH Media vermarktet. Diese Situation müssen wir als Verband akzeptieren und dürfen jedoch feststellen, dass es trotz der wenigen Anbieter einen mehrheitlich funktionierenden Wettbewerb gibt. Insbesondere auch, wenn wir nicht nur den Schweizer TV-Markt, sondern den gesamten Bewegtbildmarkt betrachten. Konkret zeigt sich für 2022, dass vor allem die von Goldbach vermarkteten TV-Sender die Preise teilweise massiv erhöhen. Die von Admeira vermarkteten SRG-Sender können praktisch zu fast gleichen Tausenderkontaktpreisen (TKP) wie in diesem Jahr gebucht werden!»

Wie steht der Verband dazu?
Ehrler: «Für die Werbeauftraggeber ist es unerfreulich, wenn Vermarkter gerade in diesen Zeiten die Preise für gleiche oder gar tiefere Medialeistungen erhöhen. Deshalb müssen wir das als Verband adressieren. Sowohl die Print- wie die TV-Branche muss sich bewusst sein, dass sich die werbenden Unternehmen zusammen mit den Mediaagenturen permanent überlegen, wie diese den Werbefranken am besten einsetzen können. Preiserhöhungen könnten dazu führen, auf einzelne Media-Gattungen zu verzichten oder allenfalls noch mehr Werbegelder in Online-Kanäle zu zügeln.»

Wie kann der SWA Gegensteuer geben?
Roland Ehrler: «Den grössten Hebel hierzu haben unsere Mitglieder mit Ihren Mediaaufträgen in der Hand! Deshalb informieren wir die werbenden Unternehmen laufend über alle wichtigen Veränderungen im Werbemarkt. So haben wir gerade im letzten Newsletter darauf hingewiesen, bei der TV-Planung 2022 speziell auf die Preisentwicklungen zu achten. Gleichzeitig haben wir bereits das Gespräch dazu mit Goldbach geführt und verfolgen die Entwicklung weiter.»