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Dienstag
23.06.2020

Medien / Publizistik

Grosse Veränderungen beim Zürcher Kulturhaus Kosmos: Am Montagnachmittag sind Tina Candrian (Gastronomie), Barbara Ellenberger (Kultur), Monica Glisenti (Kommunikation), Esther van Messel (Film) und Annelise Wiederkehr (Finanzen), in den Verwaltungsrat gewählt worden.

Auf Verlangen der Gruppe um den Hauptaktionär Ruedi Gerber kam die VR-Wahl nach einigen Streitereien im Vorfeld überhaupt auf die Traktandenliste.

Damit habe sich die sogenannte Kulturfraktion mit ihrem 5er-Frauen-Ticket durchgesetzt. Die Gruppe «Reclaim Kosmos» befehdete sich heftig mit dem PR-Berater Edwin van der Geest von der Dynamics Group, der vor etwa einem Jahr als Mediator hätte vermitteln sollen. Van der Geests damalige Wahl in den Verwaltungsrat der Kosmos-Kultur AG erstaunte dementsprechend.

«Herr Edwin van der Geest, Exponent der SVP-nahen 'Vereinigung Freunde der NZZ‘, ist - wohl auch dank des Drucks von Reclaim Kosmos - nicht mehr angetreten», schreibt die Gruppe in einem Brief an die Unterstützer von Reclaim Kosmos, der dem Klein Report vorliegt. Ebenso ist Verwaltungsratspräsident Bruno Deckert nicht mehr angetreten. Die bisherigen VR-Mitglieder Monika Binkert und Mark Burkhard wurden nicht mehr bestätigt.

Bruno Deckert und Filmer und Produzent Samir sind die Initianten des Kulturbetriebes Kosmos, das am 2. September 2017 an der Ecke Europaallee, Langstrasse, in Zürich startete. Die kosmopolitische Begegnungsstätte mit Bühne, Buchsalon, Kino, Bistro und Bar begann zwar zu laufen, im Hintergrund begannen die Misstöne, die am Ende zum Rauswurf von Mitgründer Samir führten. Er verlor sämtliche Funktionen als Berater und Türöffner in Sachen Kino und der Politreihe «Kosmopolitics».

Auch Filmerin und engagierte Kosmos-Unterstützerin Stina Werenfels kam zwischen die Fronten, die gemeinsam mit Ehemann Samir das bereits in finanzielle Schieflage geratene Kosmos massgeblich stützte.

Reclaim Kosmos wiederum sieht die Gründergeneration mit dem heutigen Tag abgelöst. Das Kosmos sei «in Händen von Fachfrauen, die unbelastet von den Reibereien der Vergangenheit arbeiten können».

Im Vorfeld zur Generalversammlung hatten 1068 Personen einen «offenen Brief» von Patrick Frey, Schauspieler und Verleger, Kosmos-Aktionär, Sabine Gisiger, Dokumentarfilmerin und Historikerin, sowie Katrin Jaggi Gees, Städtebauerin und Architektin und Kosmos-Aktionärin, unterzeichnet.

Auch diese Generalversammlung wurde aufgrund des Versammlungsverbotes wegen der Corona-Pandemie auf schriftlichem Weg durchgeführt, was sich möglicherweise im Vergleich zur stundenlangen lauten GV von letztem Jahr als hilfreich erwiesen hat.