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Donnerstag
31.10.2019

Medien / Publizistik

Martina Fehr: «Die DNA des MAZ ist ganz klar die Vermittlung des journalistischen Handwerks.»

Somedia-Publizistikleiterin Martina Fehr wird die neue Direktorin der Schweizer Journalistenschule MAZ. Gegenüber dem Klein Report erklärt Fehr, wie sie die zuletzt rückläufige Nachfrage nach journalistischen Ausbildungen stoppen will: Mit neuen Online-Kursen, einem Flexstudium und Kooperationen mit anderen Bildungsinstitutionen.

Die Nachfrage nach journalistischen Ausbildungsangeboten hat zuletzt deutlich abgenommen: Wo liegen die Gründe? 
Martina Fehr
: «Es gibt mehrere Gründe. Durch die Medienkonzentration sind die Volontariatsstellen weniger geworden. Eine Aus- oder Weiterbildung ist nicht selten teuer und auch mit einem Zeitaufwand verbunden. Dies ist in der heutigen Zeit insbesondere für kleinere Redaktionen ein Problem. Studierende müssen die Ausbildung oft selber berappen, für einige leider eine zu hohe finanzielle Hürde. Zudem bieten auch Fachhochschulen journalistische Ausbildungen an, die Konkurrenz ist also grösser geworden.»

Wie wollen Sie diesen Abwärtstrend aufhalten und das journalistische Angebot (speziell bei jungen Journalistinnen und Journalisten) besser positionieren? Und wo sehen Sie das grösste Potenzial in diesem Bereich? 
Fehr
: «Ich sehe in der Digitalisierung ein sehr grosses Potenzial – und zwar mit einer ressourcenschonenden E-Learningplattform. Es ist sicher an der Zeit, Online-Kurse oder auch ein Flexstudium, eine Kombination von Präsenzunterricht und Fernstudium, anzubieten. Des Weiteren wird das MAZ auch offen sein für Kooperationen mit anderen Bildungsinstitutionen.»

Wie sehen Ihre Visionen für den Ausbildungsbereich Kommunikation aus? 
Fehr
: «Der Bereich Kommunikation ist ein wichtiges Standbein des MAZ. Soweit ich dies heute beurteilen kann, ist dieser Bereich sehr gut aufgestellt. Online-Kurse, Tutorials oder Webinars sollen aber auch hier das Angebot, insbesondere im Bereich Social Media, stärken.»

Wo liegt nach Ihrer Ansicht die Kernkompetenz des MAZ: In der journalistischen Ausbildung oder im eher kommerziellen Bereich der Kommunikation? 
Martina Fehr
: «Die DNA des MAZ ist ganz klar die Vermittlung des journalistischen Handwerks.»

Welche Auswirkungen haben die Printkrise und die zunehmende Digitalisierung auf das künftige Angebot des MAZ? 
Fehr
: «Wir leben in einer Welt, die von der Technik angetrieben wird. Diesem Umstand muss man auch als Ausbildungsstätte Rechnung tragen, beispielsweise mit dem noch jungen CAS Datenjournalismus. Neben dem Inhalt wird die Technik eine wichtigere Rolle einnehmen.»

Wie wird sich das MAZ trotz zunehmendem Druck auf die Medienhäuser langfristig finanzieren können? 
Martina Fehr
: «Durch Kooperationen und erweiterte Angebote; natürlich wird auch das neue Medienförderungsgesetz für das MAZ zentral sein.»