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Dienstag
8.5.2018

TV / Radio

Geplanter Beitrag wurde von oben verhindert.

Ein zum Teil bereits gedrehter Beitrag über die mögliche Radiostudio-Züglete von Bern nach Zürich wurde nicht ausgestrahlt. Nach Recherchen des Journalisten Mark Baer für den Klein Report wurde die Redaktion «Schweiz Aktuell» offenbar von SRF-Chef Ruedi Matter persönlich zurückgepfiffen.

Die Redaktion von «Schweiz Aktuell» plante um den 10. April einen Beitrag über den möglichen Umzug der Radio-Abteilung Information von Bern nach Zürich. Diverse Gegner einer Verschiebung der Abteilung Information ins Zürcherische Leutschenbach wurden von der TV-Redaktion angegangen. Unter anderem auch der Medienwissenschaftler Matthias Künzler von der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur. Mit Professor Künzler wurde unter anderem ein Interview aufgezeichnet.

Das Umzugs-Thema muss dann für die SRG und das Schweizer Fernsehen aber zu delikat gewesen sein. Die Redaktion von «Schweiz Aktuell» wurde nämlich plötzlich zurückgepfiffen. Der geplante Beitrag wurde ersatzlos gestrichen. Und zahlreiche Fragen des Klein Reports an den SRF-Chefredaktor Tristan Brenn wurden erst nach fast 24 Stunden beantwortet.

Wie konnte es zu dieser internen Zensur kommen? War der Beitrag der SRG-Generaldirektion oder dem SRF zu kritisch? Passiert es oft, dass Beiträge der internen Zensur zum Opfer fallen? Wäre es nicht besser gewesen – auch gegenüber den SRF-Angestellten – den Beitrag trotzdem auszustrahlen? Das Mail des Klein Reports mit diesen und weiteren Fragen musste im Leutschenbach zahlreiche Runden gedreht haben. Beantwortet wurde die Anfrage dann aber nicht von Tristan Brenn, sondern von der SRF-Medienabteilung.

«Es gab die Idee für einen Beitrag, zu der erste Recherchegespräche geführt wurden», versuchte der stellvertretende Leiter SRF Media Relations, Stefan Wyss, den Fall herunterzuspielen. «Im Verlauf der Recherche wurde die Idee für diesen Beitrag verworfen, da es keine wesentlichen Neuigkeiten zu berichten gab, es wäre höchstens eine Wiederholung von bereits bekannten Positionen gewesen», wie Wyss weiter ausrichten liess.

Doch nach Informationen des Klein Reports sind diese Aussagen nicht richtig. Der verantwortliche SRF-Journalist sei «von weit oben» zurückgepfiffen worden, sagen mehrere voneinander unabhängige Quellen. Der Redaktor wollte auch Peter Stämpfli, Präsident der Unternehmergruppe Fokus Bern, interviewen. Der Unternehmer setzt sich ebenfalls für den Erhalt des Radiostudios in Bern ein. Weil sich Stämpfli aber im Ausland aufhielt, stellte sich Politologe und Politikberater Mark Balsiger als Back-up zur Verfügung.

Balsiger bestätigt, dass ein auf den 13. April geplantes Interview vor dem Radiostudio in Bern eine halbe Stunde vorher abgesagt wurde. «Der Journalist rief mich an und sagte, dass der Beitrag von weiter oben gestoppt worden ist», so Balsiger, der die Arbeitsgruppe «ProRadioStudioBern» von Radio SRF pro bono unterstützt.

Diese Darstellung bestätigt auch SSM-Gewerkschaftssekretärin Ariane Gscheidle, die von «Schweiz Aktuell» ebenfalls angefragt wurde: «Der recherchierende SRF-Redaktor hat mir gegenüber gesagt, dass er das OK seines direkten Vorgesetzten hatte, dann aber direkt von Ruedi Matter zurückgepfiffen wurde.»

«Ich finde es mutlos, dass man den geplanten Beitrag zurückgezogen hat», sagt Matthias Künzler. «Ich persönlich bin der Meinung, dass es für SRF kein Problem gewesen wäre, wenn man über diese Angelegenheit berichtet hätte», so der Forschungsleiter HTW Chur weiter. Ein solcher Beitrag hätte die SRG gestärkt und auch eine gewisse Gelassenheit signalisiert. «Man hätte zeigen können, dass man unabhängig und glaubwürdig ist.» Die SRG habe hier deshalb ganz klar eine Chance vergeben, wie es Professor Künzler gegenüber dem Klein Report weiter auf den Punkt bringt.

Es habe Tradition, dass Medienhäuser gereizt reagieren, wenn über sie selber berichtet werden soll, so Mark Balsiger. «Souveräne Vorgesetzte lassen Kritik zu», findet der Politikberater.