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Montag
10.05.2021

Medien / Publizistik

Die erwartete Nachbarschaft bleibt aus: «Spiegel»-Gebäude in Hamburg... (Bild: G+J)

Es sollte zumindest architektonisch das Herzstück des deutschen Journalismus werden: die vereinigten Redaktionszentralen von Gruner + Jahr in Hamburg.

Zur Vollendung der Repräsentation hätte ein Neubau für die Redaktionen von «Stern», Geo», «Brigitte» oder «Capital» gleich neben dem bereits bestehenden Prunkbau des «Spiegels» errichtet werden sollen.

Doch jetzt ist der seit vielen Jahren geplante Umzug von Gruner + Jahr vom Baumwall an der Elbe ein paar Ecken weiter an den Lohsepark in der Hafen City abgesagt.

Im Neubau wären sämtliche Redaktionen von Gruner + Jahr sowie die Verlagsleute und Techniker praktisch in Sichtweite des verglasten «Spiegel»-Gebäudes untergekommen.

Als Grund für die Absage an das Prestigeprojekt hat Geschäftsführer Oliver Radtke vor dem Weekend bekannt gegeben, das Bauprojekt am Lohsepark sei bereits «mehr als drei Jahre hinter dem Zeitplan» gelegen. Man könne und wolle hier nun nicht länger warten. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir eine andere passende Immobilie in Hamburg finden.»

Das Bekenntnis zum Standort ist nicht ohne. In letzter Zeit war immer wieder von einer noch engeren Verzahnung von Gruner + Jahr mit der Mediengruppe RTL die Rede. Beide sind Teil von Bertelsmann. RTL allerdings ist in Köln beheimatet.

Julia Jäkel gab ihren Posten als Verlagschefin von G+J kürzlich auf, ihr Nachfolger Stephan Schäfer spielt ausserdem eine wichtige Rolle bei RTL. Und das Hamburger Politikressort des «Sterns» fusioniert mit «Capital» zu einem gemeinsamen Hauptstadtbüro.

Radtke sah sich deshalb zu einem Versprechen genötigt: «Hamburg ist und bleibt eine gute Stadt für Gruner + Jahr. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Und es ist eine der ersten Adressen für Journalistinnen und Journalisten in Deutschland. Da wir den Baumwall verlassen werden, suchen wir gemeinsam mit der Stadt geeignete zeitgemässe Flächen für uns.»

Gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sagte Oliver Radtke, die Entscheidung gegen den Neubau habe nichts mit dem RTL-Projekt zu tun.

Das freut auch die Stadt. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda von der SPD findet es bedauerlich, dass aus dem Lohsepark nichts geworden ist. Aber man werde «den neu aufzunehmenden Prozess der Suche nach einem Standort konstruktiv begleiten».

Gruner + Jahr zählt zu den wichtigen Arbeitgebern der Hansestadt. Die Zahl der Beschäftigten des Verlages liegt in Hamburg seit vielen Jahren konstant um 2’500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.