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Sonntag
26.09.2021

TV / Radio

Der vorgezogene Abschalttermin war in der Branche umstritten: «Wir hätten uns darangehalten und gerne im Januar 2023 abgeschaltet», sagt Florian Wanner. (Bild zVg)

Nach einigem Hin und Her haben die Schweizer Radioveranstalter vor Kurzem beschlossen, die Abschaltung der Ultrakurzwelle am 31. Dezember 2024 zu vollziehen, so, wie es ursprünglich in der Branchenvereinbarung von 2014 festgehalten worden war.

Der Klein Report sprach mit Florian Wanner, Leiter Radio bei CH Media, über die nicht enden wollende Geschichte der UKW-Abschaltung und die Bedeutung des Technologiewechsels für Radio 24, Radio Argovia oder Radio FM1.

Kommt das UKW-Ende für die Radios von CH Media zu früh oder zu spät?
Florian Wanner: «Die Branche hatte sich auf einen früheren Abschaltzeitpunkt geeinigt. Auch die CH-Media-Radiosender unterstützten dieses Vorhaben. Wir hätten uns daran gehalten und gerne im Januar 2023 abgeschaltet.»

Wie weit ist man bei Radio 24 und Co. beim Technologiewechsel auf DAB+? Was ist schon getan, was bleibt noch zu tun?
Wanner: «Wir wären bereit gewesen, im Januar 2023 abzuschalten. Dazu gehört ein Abschalt- und Rückbauplan der UKW-Standorte. Vertragslaufzeiten müssen angepasst werden, damit wir die Kosten nicht länger als nötig tragen müssen. Zudem haben wir programmliche und Marketing-Massnahmen definiert, um unserer Hörerinnen und Hörer rechtzeitig beim Umstieg zu unterstützen. Die Arbeit haben wir bereits gemacht, jedoch kommt sie nun einfach erst später zur Umsetzung.»

Was sind die ganz konkreten Vorteile von DAB+ fürs Programm und für die Vermarktung?
Wanner: «Das Programm von Radio 24 zum Beispiel ist dank DAB+ in der gesamten Deutschschweiz empfangbar. Der UKW-Empfang beschränkt sich auf unser Sendegebiet (KG 23). Zudem ist die Soundqualität von DAB+ besser.»

Geht mit der UKW-Abschaltung auch etwas verloren?
Wanner: «Von der Historie her gesehen war UKW die Technologie, welche zu Privatradio geführt hat in der Schweiz.»

Trotz der aufwendigen Werbekampagnen, mit denen das Bakom versuchte, die Leute für DAB+ zu begeistern, benutzt beim stationären Empfang immer noch rund ein Drittel den UKW-Kanal, bei den Autoradios sind es sogar noch deutlich mehr. Droht hier nicht ein Verlust von Zuhörern, wenn UKW abgeschaltet wird, wie es zum Beispiel Roger Schawinski befürchtet?
Wanner: «Wenn ein Technologiewechsel ansteht, wechselt erfahrungsgemäss ein Teil der Nutzer erst dann, wenn die alte Technologie nicht mehr verfügbar ist. Dank den Smartphones und der IP-Verbreitung können unsere Radiosender jetzt schon in jedem Auto gehört werden.»

Wäre eine parallele Weiterführung von UKW und DAB+ auf Dauer eine Option gewesen für Radio 24?
Florian Wanner: «Nein, die doppelte Verbreitung wäre auf die Dauer nicht finanzierbar. Wenn das Bundesamt für Kommunikation eine Technologie weiterhin finanziell unterstützt, dann könnte es eine Option sein. Die Unterstützung müsste aber substanziell sein.»

Welche Mehrkosten würde eine UKW-Weiterführung schätzungsweise verursachen? 
Wanner: «Die jährlichen UKW-Kosten liegen zwischen 80'000 und 260'000 Franken pro Jahr und Sender. Das ist abhängig vom Sendegebiet.»