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Sonntag
08.08.2021

Kino

«Saudi Runaway» hätte in der Schweiz gezeigt werden müssen, um Fördergelder zu erhalten. Doch das Kino Houdini will keine leergekauften Säle... (Bild: Unsplash)

Absurdes aus der Welt des Kinos: Weil ein Gönner 25 Vorstellungen des international erfolgreichen Schweizer Dokfilms «Saudi Runaway» im Zürcher Kino Houdini leerkaufen wollte, kommt es nun zu einer Diskussion und einem Streit über weitere Fördergelder für den Film.

Denn um Gelder vom Bundesamt für Kultur (BAK) für ein Folgeprojekt zu erhalten, muss «Saudi Runaway» mindestens 25 Mal in der Schweiz vorgeführt werden. Das berichtete der «Tages-Anzeiger» am Donnerstag.

Doch dazu kommt es gar nicht, weil das Kino Houdini die Filmvorführungen vor ausverkauften leeren Rängen nun abgeblasen hat.

«Die Filmvorstellungen von ‚Saudi Runaway‘ im Kino Houdini wurden in Absprache mit dem Produzenten provisorisch terminiert», schreibt Thomas Imbach, VR-Präsident der Neugass Kino AG, am Freitag in einer Stellungnahme zum kuriosen Vorfall.

Die Neugass Kino AG hätte die Anfrage unter der Voraussetzung akzeptiert, dass das BAK das Vorgehen legitimiert und die Vorstellungen anerkennt. «Da noch nicht absehbar ist, ob dieses Vorgehen überhaupt rechtens ist, distanzieren wir uns bezüglich dieser Art von Kinoauswertung. Die Vorstellungen werden nicht stattfinden», erklärt Imbach und erteilt damit den Plänen der Produzenten von «Saudi Runaway» eine klare Abfuhr.

Ob es rechtens sei, Vorstellungen leer zu kaufen und trotzdem staatliche Unterstützungsgelder zu kassieren, wollte das Bundesamt für Kultur gegenüber dem «Tages-Anzeiger» nicht konkret beantworten.

Grund für die geplanten Geister-Vorstellungen von «Saudi Runaway» war eine Bitte von der Protagonistin Muna. Der Film zeigt, wie die junge saudische Frau monatelang ihre Flucht aus dem Königreich plant und dies mit Handyaufnahmen festhält. Muna sage schon im Film, dass ihre Entscheidung, «Saudi Runaway» mitzutragen, «schwer auf ihr laste», wie die Zeitung schreibt.

Sie habe deshalb die Regisseurin Susanne Meures und den Produzenten Christian Frei gebeten, «den Film nicht auszuwerten».