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Donnerstag
03.10.2019

Medien / Publizistik

Die Publikation der Print-Leserzahlen der Wemf-Werbemedienforschung verkommt immer mehr zur Farce: Ausgerechnet die Verleger verhindern eine seriöse und kritische Berichterstattung, indem Fachmedien vorab keinen Einblick in die Zahlendossiers erhalten.

Interessierte Medien hatten die Unterlagen der Wemf stets vorab mit Sperrfrist erhalten, um sich gewissenhaft und professionell auf die Publikation vorbereiten zu können. Doch mit der bisherigen, jahrelangen Tradition ist nun definitiv Schluss.

Die Fachmedien, die in der Vergangenheit stets mit grossem Aufwand über die Entwicklung der Print-Leserzahlen berichtet hatten, werden ohne Angabe eines Grundes vertröstet. Vor Dienstag, dem 8. Oktober, erhalten sie keinen Einblick in die Zahlen der «MACH-Basic».

Auf Geheiss der Verleger, die auch im Verwaltungsrat der Wemf AG sitzen, werden im Vorfeld keine Zahlen mehr nach aussen gegeben. Eine entsprechende Anfrage des Klein Reports sei diskutiert und abgelehnt worden.

«Die Ergebniskommunikation bleibt in erster Linie bei den Studienteilnehmern», heisst es bei der Wemf. «Dies ist schon seit Herbst 2018 so und wird so weitergeführt werden.»

So haben sich die Print-Verleger die Interpretationshoheit über die Leserzahlen der Wemf gesichert. Nun, da die Print-Reichweiten in der Tendenz mehrheitlich stark rückläufig sind, sind die Verleger ganz offensichtlich an einer möglichst stillen und unauffälligen Kommunikation interessiert.

Noch bevor die Unterlagen für den Klein Report und andere Branchenmedien überhaupt zugänglich sind, werden einige Verlage an ihren Jubelbotschaften feilen – irgendein Bereich, der sich positiv entwickelt hat, findet sich schliesslich fast immer.

Am 8. Oktober, wenn die «MACH-Basic» bei den Medienbeobachtern ankommt, werden dann die verzerrten Mitteilungen verschickt, noch bevor ein seriöser Überblick über den Wemf-Zahlenberg für Aussenstehende möglich ist.

Bis der Medienjournalist seine Dokumente sortiert und interpretiert hat, sind die News schon längst von gestern. Gut möglich, dass kaum eine kritische Stimme darüber berichtet, wenn die Print-Branche in sich selber zusammenbricht.