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Dienstag
07.01.2020

Medien / Publizistik

Andreas Häuptli: «Interviews haben heute vielfach kaum noch Informationsgehalt...»

Der Club der Zürcher Wirtschaftsjournalisten hat mit seiner «Branchenvereinbarung zur Handhabung der Autorisierung von schriftlichen Interviews» einen Nerv getroffen: Fast alle Redaktionen der grössten Wirtschaftszeitungen haben sich der Vereinbarung angeschlossen.

Eine branchenübergreifende Lösung für die Interview-Problematik fehlt allerdings noch. Der Klein Report hat deshalb beim Verband Schweizer Medien (VSM) nachgefragt, wie sich die Verleger zur Initiative der Wirtschaftsjournalisten positionieren.

«Die getroffene Vereinbarung ist absolut zu begrüssen», so die Stellungnahme von VSM-Geschäftsführer Andreas Häuptli. Die Journalisten seien mit ihrer täglichen Arbeit in erster Linie dem Leser verpflichtet, sagt Häuptli. «Dieser Grundsatz muss gerade bei Interviews gelten.»

Gemäss dem Club der Zürcher Wirtschaftsjournalisten wurde in den letzten Jahren aber vor allem in der Schweiz immer stärker nachträglich in Interviews eingegriffen: Oft werden markige Zitate im Autorisierungsprozess plötzlich wieder zurückgenommen, kritische Passagen abgeändert oder sogar ganz entfernt.

Auch Andreas Häuptli hat diese Entwicklungen wahrgenommen: «Interviews haben heute vielfach kaum noch Informationsgehalt, sei dies wegen ausweichender Antworten oder weil kritische Fragen ganz und gar fehlen. Interviews haben kaum noch Überraschendes», findet der Geschäftsführer des Verbands Schweizer Medien.

Es gelte nun, die Absichtserklärung der Wirtschaftsjournalisten auch wirklich durchzusetzen - was gemäss Häuptli «aufgrund der immer grösser werdenden Armada von Kommunikationsspezialisten in Wirtschaft und Politik» eine grosse Herausforderung sei.

Doch auf die Frage des Klein Reports, ob sich der Verlegerverband der Interview-Problematik selber widmet und einen eigenen Vorstoss plant, wiegelte der Geschäftsführer des Verbands Schweizer Medien ab: «Der VSM plant hier keine eigene Initiative, er unterstützt die Journalistenvereinigungen aber voll und ganz», erklärte er gegenüber dem Klein Report.