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Montag
15.03.2021

Medien / Publizistik

Die Motion von Katja Christ sieht vor, dass die Leserschaft selbst entscheiden kann, wo das Geld hinfliessen soll... (Bild: zVg).

Gutscheine für Junge statt Gutschriften für Verlage: Die Basler Nationalrätin Katja Christ will mit Mediengutscheinen junge Menschen zu regelmässigen Leserinnen und Lesern machen. Obwohl der Nationalrat einen ähnlichen Vorschlag aus dem Medienpaket gestrichen hat, ist die Idee noch nicht vom Tisch.

Mit 97 zu 95 Stimmen hat der Nationalrat Anfang März äusserst knapp die Einführung von finanziellen Mitteln für die Lancierung von Mediengutscheinen abgelehnt. Die vorberatende Fernmeldekommission hatte diesen Vorschlag noch gutgeheissen und für die Aufnahme im Medienförderpaket vorgeschlagen.

Damit werden Mediengutscheine, die junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren zum Lesen von Medien animieren sollen, vorerst nicht mehr weiterverfolgt. Doch ganz erledigt ist die Idee dank einer im Nationalrat eingereichten Motion von GLP-Politikerin Katja Christ nicht.

Denn der bachab geschickte Vorschlag im aktuellen Medienförderpaket war nur eine «absolute Minimalvariante meiner Projekt-Idee», wie Katja Christ auf Anfrage des Klein Reports sagte.

Christ hatte im vergangenen Juni die Motion «Medienförderung und Bildungsoffensive mit Mediengutscheinen für Jugendliche und junge Erwachsene» unabhängig vom aktuellen Medienförderpaket eingereicht. «Die Motion ist noch hängig und wird dann hoffentlich trotz ablehnender Haltung durch den Bundesrat zur Bearbeitung überwiesen», so die Nationalrätin zum Stand der Dinge.

Dass die «Minimalvariante» der Motion im Förderpaket keine Mehrheit gefunden hat, sei zwar bedauerlich, aber laut Christ auch erklärbar: «Da ein so neues System einiges an Vorarbeit braucht, war die Chance, es jetzt bereits mit dem als dringlich angesehenen Gesamtmedienförderpaket zu lancieren, eher klein.»

Katja Christs Motion sieht ein umfassendes Umdenken in der Förder-Praxis vor: Statt einer Objektfinanzierung braucht es in den Augen der Präsidentin der Grünliberalen Basel-Stadt eine Subjektfinanzierung. Die öffentlichen Gelder sollten dabei nicht direkt an Medien ausgezahlt werden, sondern mittels Gutscheine an die Bevölkerung, die dann selber entscheiden kann, für welche Medien sie Geld ausgeben will.

Der Vorteil von diesem System liegt für Christ auf der Hand: «So kann die Leserschaft selbst entscheiden, wo das Geld hingeht. Das ist ein marktwirtschaftlicher und wettbewerbsorientierter Ansatz, Subventionen für einen medialen Service public zur Verfügung zu stellen», sagte sie gegenüber dem Klein Report.

Für die digitale Umsetzung brauche es eventuell eine Registrierung beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom), so Christ weiter. Der Gutschein werde dann digital durch das Bakom zugestellt und könne auch digital eingelöst werden. «Es müsste so ausgestaltet sein, dass auch Angebote ohne Paywalls von den Gutscheinen profitieren können.»

Die Motion sieht vor, Mediengutscheine als Pilotprojekt bei Jungen und nur im Online-Bereich einzuführen. Später kann sich Christ allerdings eine Ausweitung auf andere Medienarten und Bevölkerungsschichten vorstellen.

Doch das ist vorerst nur Zukunftsmusik. Sicher ist hingegen, dass das Medienförderpaket ohne Gutscheine nun zurück in den Ständerat geht und dann nochmals in den Nationalrat kommt, bevor es voraussichtlich in der Sommersession verabschiedet wird.

Für Christ ist das aktuelle Paket «nicht zukunftsgerichtet» und braucht eine «neue Gesamtsicht»: «Die zentrale Frage ist, wie wir die Medien gezielt unterstützen können, um sie in die Zukunft zu führen. Die Leserschaft der Zukunft ist die Jugend von heute und die bewegt und informiert sich im Netz. Wir dürfen also mit unserer Unterstützung auf keinen Fall die digitale Transformation behindern, veraltete Strukturen zementieren und damit Innovationen im digitalen Bereich behindern oder konkurrenzieren.»

Eine zukunftsgerichtete Medienförderung erfolgt laut Christ «kanalunabhängig und auch unabhängig des jeweiligen Geschäftsmodells.»