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Freitag
19.06.2020

Medien / Publizistik

«Der überdurchschnittliche Online-Traffic kann noch nicht im gewohnten Rahmen kommerzialisiert werden», heisst es bei «20 Minuten».

Tamedia und 20 Minuten lassen sich Zeit mit der Rückkehr zur Normalität. Beide haben die Kurzarbeit bis Ende September verlängert. Die zur TX Group gehörenden Unternehmen rechnen damit, dass sich der Werbemarkt womöglich nicht auf das Niveau vor Corona erholen wird.

In den Stosszeiten füllen sich die Trams und Züge wieder, seit der Bundesrat den Lockdown gelockert hat. Mit dem einsetzenden Pendlerverkehr steigert «20 Minuten» auch die Print-Auflage schrittweise wieder. «Wir sind derzeit bei über 80 Prozent der regulären Auflage und damit bei über 500’000 Exemplaren pro Tag», sagte Eliane Loum-Gräser, Kommunikationsverantwortliche 20 Minuten, auf Nachfrage des Klein Reports.

Auch die Mitarbeitenden der Pendlerzeitung kehrten unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln «schrittweise» wieder an ihre Arbeitsplätze zurück. «Die Oberflächen werden regelmässig desinfiziert, es stehen Desinfektionsmittel für die Hände und Masken zur Verfügung. Wo möglich und sinnvoll bleiben die Mitarbeitenden weiterhin im Homeoffice», so Loum-Gräser weiter.

Auch die Rückkehr in die Redaktionsbüros der Bezahlzeitungen von Tamedia geschieht gemächlich. «Zurzeit sind - je nach Zählart - rund 20 Prozent der in normalen Zeiten vor Ort arbeitenden Kolleginnen und Kollegen wieder an den Standorten anwesend, Tendenz steigend», sagte Andres C. Nitsch, Kommunikationsverantwortlicher Tamedia, zum Klein Report. Die Belegung von Sitzungsräumen und Personalrestaurants sei noch eingeschränkt, um die Abstandsregeln einhalten zu können.

Sowohl bei 20 Minuten wie auch bei Tamedia befinden sich «alle Abteilungen» noch in Kurzarbeit. «Diese wurde bis September verlängert, wir prüfen jedoch monatlich pro Abteilung, ob diese bereits früher aus der Kurzarbeit entlassen werden können», so Eliane Loum-Gräser. Wie bisher werde der Lohn freiwillig auf 100 Prozent aufgestockt. Auch Tamedia will bis Ende September schrittweise die Staatshilfe absetzen.

«Wir merken, dass auch beim Werbemarkt eine langsame Erholung einsetzt, allerdings sehr zögerlich», so die Einschätzung bei «20 Minuten». Wie die meisten Medien konnte 20min.ch in der Krise die Klickzahlen deutlich steigern. «Das Niveau normalisiert sich momentan, ist aber immer noch überdurchschnittlich», sagte Loum-Gräser weiter. «Dieser Traffic kann noch nicht im gewohnten Rahmen kommerzialisiert werden.»

Zum Buchungsstand wollten sich weder 20 Minuten noch Tamedia äussern. Klar sei aber: «Die Ausfälle der vergangenen Monate werden wir nicht kompensieren können», so die Pressesprecherin von 20 Minuten. «Wir halten es für möglich, dass der strukturelle Wandel durch die Corona-Krise massiv beschleunigt wurde und sich der Printwerbemarkt nicht mehr auf das Niveau vor Corona erholen wird.»

Ähnlich tönt es bei Tamedia mit dem Haupttitel «Tages-Anzeiger»: Nun hänge vieles an der Frage, «ob wir eine schnelle und nachhaltige Erholung erleben werden, also eine kurzatmige V-Rezession, oder ob eine Erholung länger dauern wird - oder ob sich dieser krisenbedingte Rückgang sogar stabilisiert», sagte Andres C. Nitsch.

Für eine generelle Beurteilung sei es zu früh. «Allerdings hat die Krise auch gezeigt, wie schnell dieser Markt reagiert.»