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Dienstag
30.06.2020

Medien / Publizistik

In Krisen sind Social Media wie Twitter wichtige Informationskanäle für die Bevölkerung. Aber: Wer verbreitet seine Meinung? Welche Informationen zirkulieren?

Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich hat auf der Basis von 1,8 Millionen Tweets untersucht, wie die Corona-Pandemie die Schweizer Twitter-Sphäre von Januar bis April 2020 bewegt hat.

Die Studie zeigt auf, dass das Coronavirus und die damit verbundenen Massnahmen zu einer verstärkten Twitter-Aktivität in den 20 untersuchten Communitys geführt haben. In Spitzenzeiten wurden täglich fast 50‘000 Tweets von Schweizer Nutzerinnen und Nutzer verfasst. Behörden und Informationsmedien gehörten zu den einflussreichsten Akteuren.

Getweeted haben aber auch Akteure wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Diese haben mit ihren Meinungen den Diskurs zur Krise mitgeprägt.

Der thematische Fokus in den untersuchten Tweets hat sich über die Zeit verändert. Anfangs dominieren unspezifische Hashtags wie #coronavirus die Diskussion und Bezüge zu China sind prominent (#wuhan). Danach findet eine stärkere Fokussierung auf die Schweiz statt, die Themenagenda wird vielfältiger.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nimmt in allen drei Sprachregionen eine zentrale Rolle ein. Auch die Accounts der Bundesräte und des Bundesratssprechers werden über die Sprachgrenzen hinweg stark beachtet. 

Tweets von Journalistinnen und Journalisten sowie von anderen Informationsmedien, allen voran der NZZ und «Le Temps», werden oft weiterverbreitet.

Verschwörungstheorien haben kein grosses Echo gefunden. Die Verfasser der Studie, Adrian Rauchfleisch, Daniel Vogler und Mark Eisenegger, können also beruhigen, dass in der Schweizer Twitter-Sphäre Falschinformationen von marginaler Bedeutung sind.

Unsicherheiten in der Bevölkerung können jedoch nicht nur durch gezielte Desinformation entstehen. Auch widersprüchliche Meinungen, zum Beispiel zur Maskenpflicht, führen teilweise zu Verunsicherung. «Daher sind fundierte, journalistische Einordnungen gerade in Krisenzeiten von grosser Bedeutung», folgert die Studie.