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Dienstag
24.05.2016

IT / Telekom / Druck

Dramaturgie des Angriffs auf die Ruag

Melani hat sich zum Ruag-Virus zu Wort gemeldet. Die Melde- und Analysestelle Informationssicherung des Bundes (Melani) hat im Auftrag des Bundesrates einen Bericht geschrieben, in dem sie die «technischen Erkenntnisse zum Fall Ruag» zusammenträgt, wie es in dem am Montag veröffentlichen Papier heisst.

Der Bericht schaut sich genauer an, wie die eingeschleuste Schadsoftware im Ruag-Netzwerk funktionierte, und will Lehren ziehen zur «Erkennung und Abwehr» von Cyberangriffen. Tatsächlich liest sich das Paper sehr technisch und ist an IT-Verantwortliche adressiert.

Der Bundesrat wollte damit die Einsichten öffentlich machen, «damit andere Organisationen ihre Netzwerke auf ähnliche Infizierungen im Sinne der Eigenverantwortung prüfen können und um die Vorgehensweise der Tätergruppe aufzuzeigen», heisst es zu den Beweggründen.

Interessant ist für die Melani-Techniker, dass sich «Phasen mit sehr geringer Aktivität sowohl bezüglich Anfragen als auch abgeführter Datenmengen abwechselnd mit sehr aktiven Perioden mit vielen Anfragen und grossen Datenmengen» feststellen liessen, wie es ohne nähere Erklärung oder Mutmassung dazu heisst.

So hehr und hilfreich die Absichten des Bundesrates sind: Inwiefern die technische Detailsammlung auch Substanz zur politischen Debatte, wie sie jüngst die CVP-Fraktion gefordert hat, beiträgt, ist fraglich. «Den Schaden abzuschätzen, den die Angreifer angerichtet haben, ist schwierig und nicht Bestandteil dieses Berichts», hängen die Melani-Autoren die Messlatte denn auch schon mal tief an und reagieren damit auf den politischen Wirbel, der das Ruag-Leck verursacht hat. 

«Es ist zwar schwierig, eine Organisation vollständig vor solchen Tätern zu schützen; wir sind aber sicher, dass diese entdeckt werden können, da jeder Fehler macht.» Wichtig sei, dass die angegriffenen Netzwerke Informationen über die Attacken sammelten und austauschten. «Damit bleiben wir den Tätern dicht auf den Fersen», schliesst der Bericht irgendwo zwischen gelassenem Optimismus und dringlichem Appell.