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Dienstag
22.09.2020

Medien / Publizistik

Trotz der Werbe-Baisse: «Wir glauben, dass eine Gratiszeitung im Kanton Jura seinen Platz hat», sagt Verleger Sébastien Voisard.

Trotz des darniederliegenden Werbemarkts glaubt Verleger Sébastien Voisard, dass es auch in Zukunft eine Marktlücke für Gratiszeitungen geben wird. Am Donnerstag in der Früh lag die erste Nummer des neuen «Bonjour! L'hebdo sympa» in den Briefkästen.

«Die beiden Gratis-Zeitungen ‚l'Arc Hebdo‘ und ‚La Gazette de la région‘ waren auf dem gleichen Markt tätig. Da in den letzten Jahren die Werbeeinnahmen stetig gesunken sind, haben die Verlage nach einer guten Lösung für die Zukunft gesucht», sagte Sébastien Voisard gegenüber dem Klein Report zur Fusion der beiden jurassischen Gratiszeitungen.

Laut dem Verleger war der Werbeeinbruch während der Coronakrise nur der Anstoss, der die Fusion schliesslich ins Rollen brachte. «Die Verhandlungen haben bereits im 2019 begonnen.»

In der Redaktion des neuen «Bonjour! L'hebdo sympa» arbeiten drei Journalisten und «einige Korrespondenten», die vor Ort berichten. In Verkauf und Administration seien etwa zehn Personen für den Titel tätig.

Mit der Fusion hat sich auch der Markt der Gratiszeitungen im Jura konsolidiert. Nun ist «Bonjour!» das einzige Blatt, das einmal pro Woche an die Haushalte im Kanton Jura und dem Berner Jura um Moutier verteilt wird. 

Das Coronavirus hat den beiden Vorgänger-Zeitungen den Garaus gemacht. «Während dem Lockdown sind ‚La Gazette de la région‘ und ‚l'Arc Hebdo‘ nicht erschienen», so Voisard weiter zum Klein Report.

Doch Fusion hin oder her, der Print-Werbemarkt bleibt ausgetrocknet, ja er trocknet immer weiter aus. Ob es künftig noch Platz gibt für Zeitungstitel, die sich ausschliesslich über Werbeeinnahmen finanzieren? 

Der Verleger gibt sich «realistisch optimistisch». Zwar erwarte er keine Verbesserung im Werbemarkt. «Trotzdem glauben wir, dass eine Gratiszeitung im Kanton Jura seinen Platz hat.» Als einzige verbleibende Gratiszeitung sei «Bonjour!» für die Inserenten eine attraktive Ergänzung zu den anderen Werbekanälen.

Der Verleger Sébastien Voisard kommt ursprünglich aus der Bankenwelt. 1996 absolvierte er das Federal Expert Diploma in Banking Economics. Nachdem er in unterschiedlichen Positionen bei der Credit Suisse in Zürich und Lausanne gearbeitet hatte, stiess er 2005 zur Démocrate Media Holding.

Zu der in Delsberg ansässigen Gruppe gehören unter anderem die Druckerei Pressor SA, die Sébastien Voisard seit 2008 als CEO leitet, und die Syner J SA, eine Medienagentur, die die neue Gratiszeitung «Bonjour!» vermarktet. 

Auch die Tageszeitung «Le Quotidien jurassien» wird von der Démocrate Media Holding verlegt. Die Wurzeln des Familienunternehmens reichen zurück bis zur Geburt von «Le Démocrate» im Jahr 1877.

Zuversichtlich stimmt den Verleger die erste «Bonjour!»-Ausgabe, die am Donnerstagmorgen druckfrisch in den Briefkästen lag. «Die ersten Gespräche mit den Inserenten waren positiv und wir haben für die ersten Nummern unsere Ziele bezüglich Werbung übertroffen», freut sich Voisard gegenüber dem Klein Report. 

«Also, hoffen wir, dass es so weitergeht.»