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Mittwoch
24.07.2019

Medien / Publizistik

Pressetribüne: Kein Zutritt für «Nouvelliste»

Die Journalisten der Walliser Tageszeitung haben auch in der neuen Super-League-Saison Hausverbot im Heimstadion des FC Sion. Präsident Christian Constantin fordert einmal pro Woche eine kostenlose Seite im «Nouvelliste», die der Club gleich selber mit Inhalten füllen will.

Der FC Sion behandle «Le Nouvelliste» in der neue Fussballsaison weiterhin als «Media non grata», musste die Walliser Zeitung beim Auftaktspiel FC Sion gegen FC Basel am vergangenen Wochenende vermelden. Die Gespräche mit Christian Constantin über eine Aufhebung des Boykotts seien gescheitert. Das Hausverbot hatte der Club-Patron im letzten Jahr verhängt.

Weder für die Pressetribüne im Tourbillon-Stadion in Sion, noch für die Medienkonferenzen nach den Spielen erhalten die «Nouvelliste»-Journalisten eine Akkreditierung. Zudem ist es den Spielern und allen Vereinsvertretern verboten, mit der Redaktion der Zeitung in Kontakt zu treten. «Ich boykottiere die Vertreter des 'Nouvelliste' nicht, ich lade sie nicht mehr ein», liess Christian Constantin verlauten.

Als Bedingung für eine Akkreditierung fordert er, dass der «Nouvelliste» dem FC Sion jeden Freitag eine ganze Seite gratis zur Verfügung stellt, die dann von der Kommunikationsabteilung des Clubs gefüllt werden soll. 

An dieser Forderung scheiterten die Gespräche zwischen «Nouvelliste» und FC Sion. Man sei nicht das Kommunikationsorgan des Clubs, stellte Vincent Fragnière klar. Die Redaktion habe dieses «empörende Angebot» nicht annehmen können; es stehe im Gegensatz zu den elementarsten Grundlagen der journalistischen Unabhängigkeit und trete den Leserschaft und Publikum geschuldeten Respekt mit Füssen.

Dass nicht nur einzelnen Journalisten, sondern gleich einer ganzen Zeitung die Akkreditierung verweigert werde, sei eine Premiere im Schweizer Fussball, sagte Peter Guggisberg, Kommunikationsleiter bei der Swiss Football League (SFL). Der Verband habe juristische nichts in der Hand, um zu intervenieren. Für die Presseakkreditierung seien die Clubs alleine verantwortlich.

Christian Constantin müsse seine «völlig veralteten Vorstellungen über die Beziehungen zu Medien» aufgeben, sprang Reporter ohne Grenzen (ROG) Schweiz am Dienstag der Zeitung bei. Ein lokaler Akteur vom Gewicht eines FC Sion sollte seine beherrschende Stellung nicht ungestraft missbrauchen können, um die regionale Presse von seiner Gnade abhängig zu machen. 

Der «Nouvelliste» will juristische Schritte prüfen, schreibt die zur Groupe ESH Médias gehörende Zeitung weiter. 

Im Sommer 2018 hatte Christian Constantin damit geliebäugelt, eine neuen Sportzeitung zu lancieren. Nach dem Aus von «Le Matin» hatte er sich mit Pietro Supino über eine neue Sportzeitung unter dem Namen «Le Matin Sports» ausgetauscht, wie der Klein Report berichtete. Die Idee wurde im letzten Januar begraben.