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Dienstag
16.04.2019

TV / Radio

«Längst nicht alle Entscheide einstimmig»

Im letzten Herbst wurde Mascha Santschi von Doris Leuthard gefragt, ob sie an der Nachfolge von Vicent Augustin als Präsidentin der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) interessiert sei. Nun ist sie seit drei Monaten im Amt. Der Klein Report hat nachgefragt.

«Für eine erste seriöse Bilanz ist es heute, nach erst gut drei Monaten im UBI-Präsidium, zu früh», sagte Mascha Santschi zum Klein Report. «Aber einen ersten Eindruck konnte ich gewinnen. Zum Beispiel, dass längst nicht alle Entscheide innerhalb der UBI einstimmig ergehen.» Auch innerhalb des neunköpfigen Gremiums könne man gewisse Punkte «so oder anders» sehen. 

Das Rad neu erfinden will Mascha Santschi als neue UBI-Chefin nicht. «In erster Linie möchte ich, dass die UBI eine solide Arbeit abliefert. Da die UBI nicht von sich aus Fälle aufgreifen kann, werden die zu klärenden Rechtsfragen durch die eingehenden Beschwerden vorgegeben.»

«Die Rechtsmaterie, die gerichtsähnlichen Abläufe, die öffentlichen Beratungen und die lebhaften Diskussionen mit meinen UBI-Kollegen aus der ganzen Schweiz»: Das seien die Dinge, die Santschi am UBI-Präsidium besonders gereizt haben, als sie letzten Herbst von der damaligen Uvek-Vorsteherin Doris Leuthard gefragt wurde, ob sie an dem Job interessiert sei.

Öffentlich nicht genügend sichtbar sei die Arbeit der UBI, findet Santschi: «Ich wünschte mir, dass die Medien in Zeiten von ´Fake News` mehr über die Tätigkeit der UBI berichten würden. Dieses Ziel wurde ja eigentlich auch mit der Einführung der öffentlichen Beratungen verfolgt.»

Die Wahrnehmung der UBI hänge sehr stark von den Beschwerden ab, die das Gremium behandelt. «Es gibt immer wieder UBI-Fälle, die eigentlich sehr interessant wären, jedoch leider untergehen», so Santschi zum Klein Report.

Und auch bekannter könne die UBI als Beschwerdeinstanz noch werden. Viele Zuschauer und Zuhörer hätten von der Ombudsstellen und der UBI noch gar nie gehört. 

Zudem gäben sich die Beschwerdeführer «oft viel Mühe, ihre Rechtsschriften professionell zu dokumentieren - obwohl unser Verfahren eigentlich laienfreundlich ausgestaltet ist.» 

Als der Bundesrat im letzten November Mascha Santschi zur neuen UBI-Präsidentin wählte, begründete er seine Wahl mit Santschis «Tätigkeit als Kommunikationsberaterin und ihrer journalistischen Erfahrungen».

In der Vita der Anwältin mit Luzerner Patent berühren sich Kommunikation und Medien mehrfach mit der Juristerei. Im letzten Jahr schloss Santschi zum Beispiel ihre juristische Doktorarbeit ab, Titel: «Externe Kommunikation der Gerichte». 

2009 stieg Mascha Santschi als Gerichtsschreiberin beim Luzerner Obergericht ein. Kurz darauf wurde die Funktion einer «Informationsbeauftragten» neu geschaffen: Fünf Jahre lang war Santschi daraufhin für die interne und externe Kommunikation der Justizbehörde verantwortlich. 

2015 machte sie sich gemeinsam mit Ex-NZZ-Bundesgerichtskorrespondent Markus Felber selbständig: Santschi & Felber beraten Unternehmen, Behörden oder Privatpersonen an der Schnittstelle von Kommunikation und Recht. Seit Januar 2016 sitzt Santschi in der UBI.

Ins Räderwerk der Medien sah die neue UBI-Präsidentin vor allem bei Radio BeO: Parallel zum Rechtsstudium war sie zwischen 2001 und 2009 bei dem Berner Oberländer Sender als Moderatorin und Redaktorin angestellt. Kürzere journalistische Jobs hatte sie bei TeleZüri und beim «Blick». Und kurz vor ihrem Einstieg ins Moderationsgeschäft verpasste Mascha Santschi im Jahr 2000 um ein Haar die Wahl zur Miss Schweiz.

Ob sie als UBI-Chefin heute anders Fernsehen schaue, wollte der Klein Report zum Schluss von Mascha Santschi wissen. «Nein, ich konsumiere Fernsehen oder Radio nach wie vor, um mich zu informieren oder unterhalten zu lassen. Aber ich schaue und höre mir als UBI-Mitglied nun natürlich notwendigerweise mehr ´alte` Sendungen an - nämlich diejenigen, gegen die Beschwerden geführt werden.»