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Montag
09.11.2020

Medien / Publizistik

Yverdons-les-Bains: Die Idylle trügt. Der Presserat rügt den Streit zwischen einem Teil des Stadtrats und der Lokalzeitung...

Nach dem Abgang der Chefredaktorin Caroline Gebhard bei der Lokalzeitung «La Région Nord vaudois» ist in Yverdon-les-Bains heftig über die Pressefreiheit gestritten worden.

«Impressum», der Berufsverband der Journalistinnen und Journalisten, wollte Klarheit zu diesem Konflikt und ist dafür an den Schweizer Presserat gelangt.

Anlass für die Beschwerde waren die turbulenten Umstände, unter denen das Arbeitsverhältnis der ehemaligen Chefredaktorin beendet worden war.

Der Presserat hat nun die Beschwerde von «Impressum» abgelehnt. Die Begründung: «Der Sachverhalt war umstritten und Gegenstand eines gerichtlichen Vergleichs, in dem sich die Parteien auf strikte Vertraulichkeit geeinigt hatten. Angesichts der zwei völlig unterschiedlichen Versionen der beiden Parteien war es für den Presserat nicht möglich, Stellung zu beziehen.»

Gestritten wurde vorher darüber, wie die Lokalzeitung über gewisse Ereignisse berichtet hat. Caroline Gebhard wurde zum Verwaltungsrat ihrer Zeitung zitiert. In der Folge ist es zum Abgang der Chefredaktorin gekommen. Aus Sicht ihres Anwalts ist es eine missbräuchliche Kündigung.

Das hat anschliessend zur einer Spaltung der Stadtregierung geführt. Drei linke Stadträte haben mit dem Kollegialitätsprinzip gebrochen und offen über die Angelegenheit gesprochen. Die rechte Mehrheit bezichtigte ihre Kritiker der Lüge.

Klarheit zu dieser Kündigung konnte im Nachhinein also auch der Schweizer Presserat nicht mehr schaffen. Hingegen verurteilt er die Einmischung der Stadtverwaltung von Yverdon-les-Bains in die redaktionelle Freiheit der Zeitung scharf.

«Zwar kann der Presserat von einer Behörde nicht verlangen, die journalistische Ethik zu respektieren. Angesichts dieses aussergewöhnlichen Falles kann er jedoch nicht einfach schweigen. Es ist nicht akzeptabel, dass Vertreter der Stadt versucht haben, Druck auf die redaktionelle Linie der Zeitung auszuüben.»

Eine solche Einmischung sei umso problematischer, als sich die Medien, und insbesondere die lokalen Medien, in einer sehr prekären wirtschaftlichen Lage befinden und daher weniger in der Lage sind, einem solchen Druck standzuhalten.