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Dienstag
14.01.2020

Medien / Publizistik

Stephani: «Ein Medienunternehmen hat im Tagesgeschäft einen viel kurzfristigeren Rhythmus.»

Monica Stephani ist seit vergangenem Juli Leiterin Unternehmenskommunikation der Migros Aare, die umsatzmässig zweitstärkste aller Migros-Genossenschaften. Vorher arbeitete Stephani während vieler Jahre bei den AZ Medien, zuletzt als Kommunikationsleiterin CH Media.

Im Interview mit dem Klein Report spricht Stephani über die Unterschiede zwischen der Kommunikation für ein Medienhaus und für die Migros sowie über die Bewältigung von Grossprojekten.

Wie haben Sie Ihre neue Arbeitgeberin in den ersten Monaten kennengelernt? Gibt es Dinge, die Sie überrascht haben?
Monica Stephani: «Mein Empfang bei der Genossenschaft Migros Aare war sehr freundlich und im besten Sinne wohlwollend. Ich fühlte mich von Anfang an sehr willkommen. Wenn mich etwas überrascht hat, dann die Komplexität der Organisation der gesamten Migros. Zehn selbständige Genossenschaften, das Zusammenspiel mit dem Migros-Genossenschafts-Bund, und trotz einer gewissen Unabhängigkeit vernetzt und abgestimmt agieren.»

Sie sind nun zuständig für die Kommunikation eines Unternehmens, das einen Jahresumsatz von 3,4 Milliarden Franken erwirtschaftet und etwa 12’000 Mitarbeitende beschäftigt: Wie schaffen Sie es, den Überblick über alle Bereiche zu haben?
Stephani: «Mit einem gut aufgestellten und vernetzten Team, welches mir Vertrauen schenkt. Während ich – auch nach einem halben Jahr – das Unternehmen immer noch kennenlerne, wissen meine Kolleginnen und Kollegen, wie der Hase läuft. Das, und dass ich bei den grösseren, strategischen Themen frühzeitig miteinbezogen werde, macht meinen Job um einiges einfacher.»

Wie gross war für Sie die Umstellung nach dem Wechsel von CH Media? Welche sind die prägnantesten Unterschiede in der Kommunikation für ein Medienunternehmen zur Kommunikation für die Migros-Genossenschaft?
Stephani: «Die Marke Migros verpflichtet. In jeder Hinsicht. Während jede Schweizerin und jeder Schweizer die Migros auch als Kunde kennt, ist CH Media oft ´nur` als Joint Venture zwischen AZ Medien und der NZZ bekannt, was es zu erklären gilt. Und die Grösse und die Organisation der Migros bedingen mehr Abstimmung und längere Entscheidungswege. Ein Medienunternehmen hat im Tagesgeschäft einen viel kurzfristigeren Rhythmus.»

Eine Gemeinsamkeit zwischen Ihrer alten und neuen Arbeitgeberin ist der Kostendruck. Im letzten Jahr hat die Migros Aare das Effizienzprogramm «Fokus» vorgestellt. Dazu gehören etwa 100 verschiedene Initiativen, und bis 2021 sollen 300 Stellen gestrichen werden: Wie stark sind Sie als Kommunikationsleiterin in dieses Projekt eingebunden?
Monica Stephani: «Das stimmt, auch wir haben Kostendruck. Und das angesprochene Effizienzprogramm ist als Teil unserer Strategie natürlich kommunikativ eine Herausforderung. Intern wie extern. Als Kommunikationsleiterin ist es unabdingbar, in das Projekt eingebunden zu sein. Die kommunizierten Initiativen laufen weiter und es ist uns ein Anliegen, unsere Mitarbeitenden in regelmässigen Abständen über die Fortschritte und den aktuellen Stand zu informieren. Das Effizienzprogramm ist ein Teil der Strategie, die in Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitenden erarbeitet wurde. Das empfinde ich als grossen Vorteil.»

Die Kommunikation eines solchen Grossprojekts ist sicher eine Mammut-Aufgabe: Wie lässt sich das bewältigen?
Stephani: «Mit Erfahrung, Wille und einem sehr guten Team. Das Thema ´Effizienz und Restrukturierung` ist branchenübergreifend allgegenwärtig. Entsprechend helfen mir natürlich die gemachten Erfahrungen bei AZ Medien respektive CH Media. Das von der gesamten Geschäftsleitung geschenkte Vertrauen sowie die gute und enge Zusammenarbeit mit der HR-Abteilung waren aber mindestens ebenso wichtig.»

Welches sind die Themen, die Sie in Ihrem Arbeitsalltag am meisten beschäftigen? Gibt es eine Frage, die Sie immer wieder hören?
Stephani: «Nein, die eine Frage gibt es nicht. Das Faszinierende an meiner Aufgabe ist die Abwechslung. Die Migros ist so vielseitig und hat viele unterschiedliche Berührungspunkte, dass mich nicht das eine Thema beschäftigt.»

Zum Schluss: Welches Zwischenfazit ziehen Sie zu Ihrem Wechsel von CH Media zur Migros Aare?
Monica Stephani: «Wir leben in einer Zeit des Wandels, egal, in welcher Branche man sich bewegt. Herausforderungen gibt es reichlich, man muss diese nur annehmen. Ich bin froh, den Schritt nach vielen Jahren in den Medien von einer liebgewonnenen Aufgabe hin zu einer neuen und ebenso spannenden Aufgabe gemacht zu haben.»