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Samstag
07.12.2019

Medien / Publizistik

Keystone-SDA sucht trotz erklärter «Verschlankung» der Führungsebene einen Leiter «Visuelles» (Bild: Keystone-SDA / Gaetan Bally).

Nach dem Abgang von Super-Chefredaktor Marcus Hebein sollen bei Keystone-SDA die Weichen neu gestellt werden: «Es ist das erklärte Ziel von Keystone-SDA, die Führungsebenen zu verschlanken», versicherte der Kommunikationsbeauftragte Iso Rechsteiner am Donnerstag gegenüber dem Klein Report.

Damit würde Keystone-SDA einer Forderung der Redaktion nachkommen: Gemäss Recherchen des Klein Reports hat die Redaktionskommission (ReKo) nachdrücklich Einsparungen beim Management verlangt, bevor der Rotstift erneut bei den Journalisten angesetzt wird.

Bislang ist dieser Kelch nämlich stets an der Chefetage vorübergegangen, obwohl der Verwaltungsrat mit zehn Mitgliedern und die Geschäftsleitung mit vier weiteren Namen auf der Lohnliste eher aufgebläht wirken.

Nun ist es ausgerechnet Marcus Hebein, der das Unternehmen bereits wieder verlässt. Als vormaliger stellvertretender Chefredaktor der Austria Presse Agentur (APA) brachte Hebein die journalistischen Werte mit, die ansonsten in der Chefetage weitestgehend vermisst werden.

Brisant: Nach Informationen des Klein Reports hat sich Hebein einen internen Machtkampf mit Jann Jenatsch, Chief Operating Officer (COO) und Leiter Content bei Keystone-SDA, geliefert. Hebein habe sich immer wieder von Jenatsch, der in der Geschäftsleitung sitzt, ausgebremst gefühlt.

Auf den Machtkampf und das Verhältnis zwischen Jann Jenatsch und Marcus Hebein angesprochen, sagte der Kommunikationsbeauftragte Iso Rechsteiner: «Gewiss haben Sie Verständnis, dass wir zu Mutmassungen und Gerüchten keine Stellung nehmen.»

Laut Rechsteiner werde die Stelle von Hebein als «Leiter Newsroom» in dieser Form nicht wiederbesetzt. Diese «Zwischenstufe» habe es nur für die Aufbauphase des Newsrooms gebraucht, die nun abgeschlossen sei.

Doch nur wenige Stunden, nachdem Marcus Hebeins Abschiedsmail die Redaktorinnen und Redaktoren erreicht hatte, wurde intern bereits eine neue Leitungsfunktion ausgeschrieben: Gesucht wird neu ein «Leiter Visuelles».

Iso Rechsteiner erklärte dem Klein Report, dass «das bestehende Führungsteam noch stärker in die Verantwortung eingebunden» werden soll: «Wir haben ja bereits im Oktober den Wechsel in der deutschsprachigen Chefredaktion kommuniziert, Nicole Meier wird per Anfang Januar operativ übernehmen. Zudem werden wir Ende Januar einen Generationenwechsel in der Chefredaktion der italienischsprachigen Redaktion vollziehen. Die Leitung der visuellen Dienste ist ausgeschrieben und wir werden auch da bis Ende Januar einen Entscheid treffen.»

Die «Reorganisation der Chefredaktion» sei dann abgeschlossen und sie sei «in allen Sprachen sowie im Bereich Sport und Bild gut aufgestellt», so Rechsteiner. Von Einsparungen auf Ebene der Geschäftsleitung oder des Verwaltungsrates kein Wort.