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Donnerstag
11.03.2021

IT / Telekom / Druck

Für die Gewerkschaft Syndicom ist die ausbleibende Lohnerhöhung «alles andere als ein Zeichen der Wertschätzung»... (Bild: Post)

Die Schweizerische Post will ihren Angestellten trotz ihrer aussergewöhnlichen Corona-Leistungen keine Lohnerhöhung gewähren. Die Gewerkschaft Syndicom und der Personalverband Transfair sprechen von «fehlender Wertschätzung».

Die Verhandlungen über eine Lohnerhöhung sind gescheitert, weil die Post auf dem absoluten Minimum beharre, das sie gemäss Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ohnehin schulde, teilte Syndicom am Mittwoch mit. Und dies, obwohl die Gewerkschaft und Transfair «weit von ihren Forderungen abgerückt und der Post bedeutend entgegengekommen» seien.

Das absolute Minimum sind 0,4 Prozent der Lohnsumme, die im GAV verankert sind. «Diese 0,4 Prozent der Lohnsumme sind keine Lohnerhöhung; sie sind eher eine Verpflichtung, die den Post-Angestellten in der Regel zusteht», wird René Fürst, Branchenleiter Post/Logistik beim Personalverband Transfair, in der Mitteilung zitiert.

Gemäss Syndicom und Transfair sei das «alles andere als ein Zeichen der Wertschätzung» gegenüber der ausserordentlichen Leistung der Angestellten.

Bei einer Nichteinigung in Lohnverhandlungen sieht der GAV die Anrufung einer paritätischen Schlichtungskommission vor, die jetzt auch tatsächlich zum Zug kommt. Dass es nun zu diesem «aufwändigen Schlichtungsverfahren» komme, bedauern die Sozialpartner. Dieses Geld hätte die Post besser in Lohnmassnahmen für das Personal investiert.

Die Unzufriedenheit ist gross, weil die Mitarbeitenden der Post Im vergangenen Jahr ein Rekord-Paketvolumen bewältigt und trotz Lockdown täglich Briefe verteilt haben.

«Den Post-Angestellten bleibt die Anerkennung der Bevölkerung für ihre essenziellen Dienste während der Corona-Pandemie – doch die Enttäuschung bleibt, denn mit Applaus können keine Rechnungen beglichen werden», bilanzierte die Syndicom.

Nach der Veröffentlichung dieses Artikels meldete sich am Mittwochnachmittag die Post beim Klein Report mit einer ergänzenden Stellungnahme: «Die Post hat den Sozialpartnern in der aktuellen Lohnrunde ein Angebot von 0,4 Prozent mehr Lohn gemacht. Dies generell für alle Mitarbeitenden im GAV - und trotz einer klar negativen Teuerung von -0,7 Prozent», heisst es seitens der Post.

Das Angebot der Post ist «noch besser als jenes vom Vorjahr». Und dies trotz eines «deutlich schlechteren Geschäftsganges und einer negativen Teuerung», schreibt der Staatsbetrieb weiter.

Die Post habe die Teuerung in den vergangenen Jahren stets ausgeglichen und die Löhne der Mitarbeitenden im GAV «substantiell angehoben»: «Kumuliert übertrafen die Lohnmassnahmen der Post die Teuerung in den letzten 5 Jahren um 4,18 Prozent.»

«Die Post anerkennt die grossen Leistungen der Mitarbeitenden in diesem ausserordentlichen Jahr, speziell im Zusammenhang mit Corona.» Darum habe sie 2020 insgesamt über 20 Millionen Franken für Sonderprämien bereitgestellt. Den besonders belasteten Mitarbeitenden im Betrieb und am Schalter haben die Post zwei Mal je 500 Franken ausbezahlt – «insgesamt also 1'000 Franken Prämie pro Person (bei einem Beschäftigungsgrad von 100 Prozent).»