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Dienstag
26.12.2017

Vermarktung

Alte Reception an der Mürtschenstrasse

Die Publicitas hat in den letzten Jahren viel von ihrem alten Glanz verloren. Sparmassnahmen, Liquiditätsengpässe oder auch die Auslagerung des Backoffice nach Bratislava verunsicherten Mitarbeitende, Verlage und Kunden gleichermassen.

«Das Vertrauen war eine Zeit lang erschüttert, weil wir nicht immer pünktlich bezahlt haben», räumt Denis Gheysen, CEO der Publicitas, im Gespräch mit dem Klein Report ein. Weil sich die Branche im Umbruch befinde, habe sich der Druck auf die Vermarkterin erhöht. Nicht zuletzt auch aufgrund des sinkenden Printmarkts.

«Insbesondere der Druck von Seiten der nationalen, grossen Verlage hat zugenommen, während Regionalmedien und kleinere Medien in Bergregionen weiterhin gut dastehen», sagt Gheysen. «Die Höhe unserer Margen und Provisionen ist deshalb ein grosser Diskussionspunkt.»

Dementsprechend hart seien die Verhandlungen mit den Verlagen, die aktuell geführt werden. «Aber die Gespräche sind insgesamt recht positiv. Wir sind auf gutem Weg, die auslaufenden Verträge für 2018 zu verlängern», so Gheysen, der seit September als CEO der P fungiert.

Die Planungssicherheit für das nächste Jahr sei inzwischen relativ gut, die Konditionen mehrheitlich bekannt. «Ich sehe langsam Licht am Ende des Tunnels. Das gibt uns Sicherheit.» Für 2018 strebe Denis Gheysen nach zuletzt schwierigen Jahren ein ausgeglichenes Resultat mit einem «leichten Profit» an.

Weitere Sparmassnahmen wie die Verlagerung des Backoffice nach Bratislava, wo etwa 100 Personen im Bereich IT und Services für die Publicitas arbeiten, soll es im nächsten Jahr nicht mehr geben. «Kostenseitig wurde ein grosser Teil des Einsparungspotenzials ausgeschöpft. Beim Personal ist momentan kein weiterer Abbau geplant», kommentiert Denis Gheysen.

«Aber selbstverständlich muss man als Unternehmung immer auf die Kosten achten.» Daher werde allenfalls noch «an der einen oder anderen Schraube gedreht».

Die «grosse Publicitas der Vergangenheit» werde es nicht mehr geben: Neu sei die Vermarkterin kleiner, agiler, die Abstimmungswege seien kürzer, sagt Gheysen. Nach dem Umzug an den neuen Hauptsitz in Opfikon Glattbrugg arbeiten die Mitarbeitenden zudem nicht mehr auf mehreren Stockwerken, sondern alle auf der gleichen Ebene.

Auch für den teilweise stockenden Zahlungsfluss habe der CEO inzwischen eine Lösung gefunden. Die Verrechnungsprozesse, an denen bis zu vier Parteien beteiligt sind, sollen optimiert, das heisst vor allem digitalisiert und dadurch erheblich verkürzt werden. «Die Gespräche, die wir in dieser Hinsicht mit den am Verrechnungsprozess beteiligten Agenturen führen, sind sehr positiv», so Denis Gheysen.

Weiteres Potenzial sieht er schliesslich im Digitalbereich, wo die Publicitas nach wie vor unterdurchschnittlich vertreten ist, wie Gheysen dem Klein Report sagt. «Im nächsten Jahr werden wir in diesem Bereich eine neue Produktfamilie lancieren.»