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Freitag
29.05.2020

Medien / Publizistik

Der 59-jährige Bernard Maissen ist seit dem 1. Mai 2018 Vize-Direktor bei der Bundesbehörde...

Bernard Maissen (59), ehemaliger Chefredaktor der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA), wird per 1. Juli neuer Direktor des Bundesamts für Kommunikation (Bakom). Seit dem 1. Mai 2018 leitet Maissen beim Bakom die Medienabteilung.

Der langjährige Journalist musste die SDA nach dem Zusammenschluss zwischen der Nachrichtenagentur und ihrer Tochter Keystone Ende 2017, Anfang 2018 verlassen. Maissen sass gemeinsam mit dem damaligen CEO Markus Schwab in der Geschäftsleitung.

«Der langjährige Chefredaktor und Leiter Verkauf Bernard Maissen begrüsst die Fusion, scheidet aber aus dem Unternehmen aus», zitierte der Klein Report damals die SDA-Spitze und fügte an, dass dies ohne weitere Begründung oder den genauen Zeitpunkt des Ausscheidens erfolge.

Per 1. Mai 2018 übernahm Bernard Maissen dann die Leitung der Medienabteilung des Bakom, im Rang des Vizedirektors der Bundesbehörde.

Bei der Aufsichtsbehörde folgt Maissen auf Philipp Metzger, der im Februar 2020 als Generalsekretär und CEO zur Internationalen Elektrotechnischen Kommission (IEC) wechselte.

«Zu den Aufgaben des neuen Direktors gehört es die Schweizer Medien- und Telekompolitik umzusetzen und weiterzuentwickeln und den Vollzug bestehender Gesetze zu stärken», schreibt das Bakom selber über die Bundesratssitzung vom Mittwoch.

Am Donnerstagmorgen lief die Meldung zuerst über die heutige Keystone-SDA, eine exklusive Bevorzugung, wie sie seit längerem Usanz bei der sich in grossen Nöten befindenden Nachrichtenagentur ist und für demokratische Abläufe und deren Kommunikation nach Aussen in Zukunft nichts Gutes erahnen lässt.

Bis Maissen sein Amt übernehme, werde das Bakom «weiterhin vom stellvertretenden Direktor Philippe Horisberger interimistisch geleitet», schreibt das Bundesamt für Kommunikation weiter.

Maissen hat an der Universität Freiburg Germanistik, Geschichte und Journalismus studiert. Der Bündner Journalist startete seine Laufbahn 1987 bei der «Bündner Zeitung». 1992 wechselte er erstmals zur SDA, bevor er zwischen 2003 und 2005 bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) als Chefredaktor von Radio Rumantsch arbeitete. Nach dem SRG-Intermezzo wechselte Maissen als Chefredaktor und Mitglied der Geschäftsleitung zur SDA.

Er war Mitglied der Programmkommission der Schweizer Journalistenschule (MAZ) in Luzern und gehörte von 2013 bis Mitte 2018 als Vertreter der SDA der Eidgenössischen Medienkommission (EMEK) an.

Am Donnerstagvormittag reagierte die Chefredaktorin von Keystone-SDA, Nicole Meier, via Twitter auf diesen Bericht des Klein Reports: Meier schrieb, dass die Medienmitteilung über die Ernennung von Bernard Maissen zum Bakom-Direktor «gestern Mittwoch um 16.38 Uhr an alle akkreditierten Bundeshausjournalist/innen» ging. Dabei war eine Sperrfrist für Donnerstag um 8.30 Uhr vorgesehen.

Auf Nachfrage des Klein Reports bei Nicole Meier am Donnerstagnachmittag präzisierte die Chefredaktorin ihren Tweet, dass sich dieser «auf die Formulierung 'eine exklusive Bevorzugung' bezog». Da alle akkreditierten Bundeshausjournalisten vorab Zugang gehabt hätten, sei Keystone-SDA nicht bevorzugt worden.

Damit spricht die Journalistin ein altbekanntes Problem an: Gewisse Informationen und Meldungen werden vorab bevorzugt an einen kleinen, exklusiven Kreis von Medienschaffenden weitergegeben, so zum Beispiel auch bei Gerichten und anderen Institutionen. Bei Gerichten macht es aus Gründen der Komplexität Sinn, bei den meisten anderen Akteuren ist es oft ein Powergame.

Besser machen es hingegen börsenkotierte Unternehmen, die aber auch von Gesetzes wegen zu einer offenen Kommunikaiton verpflichtet sind.