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Samstag
22.4.2017

Medien / Publizistik

Zwei Initiativen, eine Stossrichtung: Kooperationen der SRG sollen zur Meinungs- und Angebotsvielfalt in der Schweiz beitragen – oder sonst verboten werden. Aktuell agiert Admeira, das Joint Venture der SRG mit Swisscom und Ringier, nicht zwingend nach dieser Maxime.

Wie die jüngste Kooperation mit dem US-Riesen Discovery Communications und Eurosport zeigte, betreibt Admeira stattdessen einen knallharten Verdrängungskampf. Nun sind die Verleger an der Reihe: Die ständerätliche Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen (KVF-S) will im Mai mit ihnen über die möglichen Auswirkungen von Admeira sprechen.

Bereits im Vorfeld hat der Klein Report bei Roland Oetterli, Direktor der ZT Medien AG («Zofinger Tagblatt»), nachgefragt, wie sich Admeira auf das Aargauer Medienhaus auswirkt und ob Oetterli von der KVF-S für die Sitzung im Mai angefragt wurde.

Roland Oetterli: «Nein. Die ZT Medien AG mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind in Bern nicht bekannt und stellen dadurch auch keinen bedeutenden Gesprächspartner dar.»

Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit Admeira? Sind (bereits) Auswirkungen auf die Schweizer Medienlandschaft erkennbar?

Oetterli: «Eine kommerzielle Geschäftsbeziehung existiert im Moment noch nicht. Wir halten mit einzelnen Exponenten einen losen Kontakt und tauschen uns fachlich aus. Die schweizerische Medienlandschaft steht bekanntlich unter massivem Druck. Ich denke, die Organisation Admeira beeinflusst den Kommunikationsmarkt in einer ersten Phase eher positiv. Durch die angedachten Innovationen belebt sie den Markt und die Konkurrenz. Es gilt auch festzustellen, dass Admeira mit ihren Dienstleistungen nur einen Teil von Kommunikationsarbeiten abdecken kann. Ihr Leistungsspektrum fokussiert sich nach wie vor zu einem grossen Teil in der alten Welt. Für TV-Spots und Zeitschriftenanzeigen waren die einzelnen Partner schon früher in der Spitzengruppe mit dabei. Die Dimension Big Data mit dem Partner Swisscom eröffnet natürlich einen neuen Wirkungsraum.»

Führt Admeira Ihrer Meinung nach in der Schweiz zu einer «Stärkung der Meinungs- und Angebotsvielfalt», wie in den Initiativen gefordert wird?

Oetterli: «Nein, das Gegenteil wird eintreffen. Die Konzentration auf wenige Marktteilnehmer wird aktiv forciert. Der Zugang zu kommerzieller Werbung wird verbaut und dadurch wird gleichzeitig die Möglichkeit auf eine Meinungsvielfalt stark erschwert.»

Wie wirkt sich oder könnte sich Admeira auf die Werbeeinnahmen privater Medien auswirken?

Roland Oetterli: «Das gesamte klassische Werbevolumen verlor in den letzten Jahren an Marktanteilen. Internationale und national bedeutende Auftraggeber werden sich für die doch eher kleine Schweiz auf die wesentlichen Ballungsräume konzentrieren wollen. Das heisst, wenige Werbeträger genügen für einen effizienten und effektiven Einsatz. Ein natürliches Gesetz: Der Grosse profitiert schneller und wird sein Angebot vorteilhafter platzieren können. Die kleineren Marktpartner verlieren innerhalb der jeweiligen Gattung an Umsatz und Marktanteile.»

Wie beurteilen Sie (allfällige) Kooperationen, die Admeira mit einzelnen privaten Medien eingeht?

Oetterli: «Meine persönliche Meinung – dieser Gedanke ist nett formuliert aber sehr schwierig umzusetzen. Admeira ist eine funktionierende Organisation in der Phase der Optimierung. Ihr eigenes Portefeuille muss nur noch punktuell ergänzt werden. Aber bestimmt nicht mit gleichartigen Produkten, sondern dann eher mit Out of home, Kino, DM und anderem mehr.»

Wie beurteilen Sie die jüngste Kooperation von Admeira mit dem US-Konzern Discovery? Sehen Sie Gefahren für die Schweizer Medienlandschaft?

Oetterli: «Aus der Sicht Admeira selbstverständlich attraktiv und sinnvoll. Auch hier gilt die Konzentration der Mittel für eine kleine Schweiz. Die Einstiegshürde für einen Dritten ist dadurch hoch. Die Gefahren für die übriggebliebenen Akteure in der Schweizer Medienlandschaft sind um ein Element vergrössert worden. Eine eigene Wettbewerbsstrategie, eigene Sonderleistungen, Kreativität und Beharrlichkeit gilt es für das eigene Überleben zu gestalten.»

Wer wird durch diese jüngste Kooperation und durch Admeira nach Ihrer Ansicht am meisten konkurrenziert?

Oetterli: «Eine anspruchsvolle Frage. Am Schluss wird der Werbetreibende auf der einen Seite entscheiden, ob er diesen Kommunikationskanal einsetzen will und parallel dazu muss der Konsument sich für die angebotene Leistung begeistern lassen. Wir können gespannt sein.»

Aus Ihren Antworten lässt sich folgern, dass der Anschlusszwang für Medienunternehmen wie die ZT Medien AG generell gross ist. Andererseits ist Admeira nicht unbedingt daran interessiert, eine Kooperation mit kleineren Medienhäusern einzugehen...

Roland Oetterli: «Ich teile diese Ansicht. Die ZT Medien AG wäre ein uninteressanter Partner und eine Kooperation wäre sehr einseitig aufgebaut. Vielleicht könnten die kleineren Medienunternehmen vom Know-how im Bereich `Big Data` profitieren und dadurch in ihren Stammgebieten gemeinsam effektiver die Marktangebote von Admeira vertreten und verkaufen. Die ZT Medien AG sehen ihre eigenen Chancen in Kooperationen und in der Erbringung von gezielten zukunftsweisenden Dienstleistungen für ihren primären Wirkungsraum.»