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Dienstag
18.02.2014

Medien / Publizistik

Proteste beim «Landboten» gegen Tamedia

Die Mitarbeitenden der Zürcher Regionalzeitungen («Der Landbote», «Zürcher Unterländer», «Zürichsee-Zeitung») sind unzufrieden mit dem Sozialplan der Tamedia, welcher aufgrund des angekündigten Abbaus von 25 Stellen erarbeitet wurde. Sie bemängeln in einer Mitteilung, dass die Leistungen dramatisch schlechter seien als in früheren Sozialplänen. Am Mittwoch wollen die Mitarbeitenden der Tamedia eine entsprechende Petition übergeben.

«Die Petition ist von den Belegschaften aller betroffenen Redaktionen aufgestellt worden, die Unterschriften sammeln sie intern - mit grossem Erfolg, wie die Berichte sind», so Syndicom-Zentralsekretärin Stephanie Vonarburg gegenüber dem Klein Report. Die Mediengewerkschaft unterstütze und berate die Personalkommissionen und die Belegschaften der drei Zeitungen.

«Tamedia hat zwar gleich zu Beginn versucht, den Personalkommissionen vorzuschreiben, dass die Gewerkschaftsvertretung nicht an den Personalversammlungen im Haus teilnehmen darf», so Vonarburg. «Auf den Hinweis, dann werde man das Treffen halt draussen vor dem Unternehmen durchführen, wurde das versuchte Hausverbot aber zurückgenommen.»

Der «begleitende Sozialplan 2014», den Tamedia den Personalkommissionen vorgesetzt hat, sei einseitig vom Unternehmen erlassen worden, ohne dass darüber verhandelt wurde, so Vonarbug weiter. «Schon allein dieses Vorgehen widerspricht allen sozialpartnerschaftlichen Gepflogenheiten.»

Inhaltlich liege er weit hinter den branchen- und betriebsüblichen Standards zurück. «So gibt es darin weder Abgangsentschädigungen noch Ausgleichszahlungen bei Arbeitslosigkeit, und die vorzeitig Pensionierten stünden ohne abfedernde Einzahlung in die Pensionskasse da.»

Kommt dazu, so Vonarburg weiter, dass der Anwendungsbereich sehr eng definiert werde. «Die regelmässigen Freien fallen zum Beispiel vollständig heraus.» Die Mitarbeiter beim «Landboten» und den Zürcher Landzeitungen wollen gemäss Vonarburg den gleichen Standard wie im Sozialplan 2009, der beim «Tages-Anzeiger» verhandelt wurde und danach verschiedentlich wieder Anwendung fand.

«Bezüglich des angekündigten Umbaus wollen die Belegschaften aber noch etwas anderes: ernst genommen und respektiert werden», so Vonarburg. «Sie haben sich während des Konsultationsverfahrens an die Spielregeln gehalten und innovative Vorschläge gemacht, wie Stellen gerettet und die Medien in der Region gestärkt werden können. Diese Vorschläge hat Tamedia letzte Woche rundweg abgelehnt. Das hat die Leute enttäuscht und verärgert.»

Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer bestätigte am Montag gegenüber dem Klein Report, dass im Sozialplan keine Abgangsentschädigungen vorgesehen sind, «die unabhängig von der Beschäftigungssituation ausgezahlt werden». Ausgleichszahlungen seien vorgesehen, wenn Mitarbeitende intern eine neue Stelle mit tieferem Lohn übernehmen oder wenn das Pensum um mehr als zehn Prozent reduziert werde, so Zimmer.

Der freiwillig angebotene Sozialplan umfasse, abhängig von Alter und Dienstalter, zudem insbesondere um bis zu fünf Monate verlängerte Kündigungsfristen zusätzlich zur regulären Kündigungsfrist sowie die Möglichkeit von Frühpensionierungen ab 60 Jahren.

Zur Forderung, dass der 2009 beim «Tages-Anzeiger» ausgehandelte Sozialplan angewendet werden soll, meinte Zimmer: «Dieser Sozialplan wurde vor bald fünf Jahren für den `Tages-Anzeiger` verhandelt und ist nicht einfach auf andere Medien übertragbar.» In der Zwischenzeit seien in anderen Unternehmensbereichen andere Sozialpläne angewendet worden, teilweise auch aufgrund von Vorgaben geltender Gesamtarbeitsverträge. Der freiwillig angebotene Sozialplan sei aber durchaus mit anderen Sozialplänen in der Medienbranche vergleichbar.

«Wir haben die Personalkommissionen bereits anlässlich der Ankündigung der Reorganisation zu Gesprächen über den freiwilligen Sozialplan eingeladen», so Zimmer. «Dazu sind wir nach wie vor bereit.»

Im Januar gab die Tamedia bekannt, dass Sport-, Service- und Onlineredaktionen sowie Produktion und Korrektorat von «Landbote», «Zürcher Unterländer» und «Zürichsee-Zeitung» zusammengelegt werden und 25 Vollzeitstellen abgebaut werden. «Landbote»-Chefredaktorin Colette Gradwohl verliess den Verlag. Ab Anfang Juni sollen die drei Regionalzeitungen unter Chefredaktor Benjamin Geiger mit neuer Struktur und neuem Layout, welches sich an die «Berner Zeitung» anlehnt, erscheinen.