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Montag
07.10.2019

Medien / Publizistik

Ex-Journalist will in den Nationalrat

Der Zürcher Kantonsrat und Milieu-Anwalt Valentin Landmann und der einstige Fifa-Direktor Guido Tognoni kandidieren auf der Liste «55 Plus» der SVP für den Nationalrat. Im Gemeindesaal Bonstetten im Säuliamt stellten die beiden diese Woche ihre politischen Ideen vor.

Im Interview stellte Moderator Claude Vuillemin den beiden Protagonisten einige zum Teil provozierende Fragen, die auch Gelächter generierten. Vor Gericht töne Landmann sehr sanft, mit weicher Stimme und Statements wie: «Der Klient hat ein bisschen gemordet». Ob diese Stimme gespielt oder echt sei? «Die Stimme ist echt», sagt Landmann.

«Ich rede nicht aggressiv, ein Punkt, der auch in der Politik auf mich zutrifft. Ich möchte durch den Inhalt überzeugen», so Landmann weiter. Vor Gericht sei das ebenso wesentlich wie im Parlament. «Meine Gedanken sollen in die Menschen Einlass finden und nicht an ihnen abprallen.» Dann gibt er zu, dass er zuweilen etwas lebhafter sein könnte.

Er scheue sich nie, einen Fall zu übernehmen, den andere nicht wollen, seien es SVP-Politiker oder Polizeibeamte. «Das ist notwendig, vor allem bei schwersten Delikten, wo es am wichtigsten ist, den Täter zu finden. Ich bin kein Weichmacher, das möchte ich auch nicht sein.»

«Switzerland First – die Rettung der Welt kommt danach!»: Der Slogan seiner Wahl-Inserate sei nicht nur Makulatur. Valentin Landmann: «Das ist meine echte Meinung. Für mein Politik-Verständnis müssen die Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger in erster Linie massgebend sein. Wir müssen nicht zuerst die Welt retten, heisst nicht, Ökologie und Umweltschutz zu entwerten. Luftreinhaltung, Wasserschutz, Natur- und Landschaftsschutz gehören ebenso dazu wie der Schutz vor totaler Überbauung.»

Landmann möchte keine Schweiz mit zehn bis zwölf Millionen Einwohnern. Die Energiesicherheit müsse gewahrt bleiben. Daran werde gewaltig gerüttelt: «Die Menschen denken zu wenig.» Auch eine sinnvolle Regelung der Zuwanderung sei auch aus ökologischen Gründen das Gebot der Stunde.

Dann macht er sich für Atomkraftwerke stark mit dem Argument: «Warum wollen wir etwas Gutes über Bord werfen, weil wir einer Tendenz nachrennen». Aus CO2-Gründen solle man alte Atomkraftwerke wieder aufpäppeln und auch neue bauen. 

«Wenn hier alle Elektro-Autos fahren, haben wir eine schlechtere Energiebilanz als mein kleiner Fiat.» Dann zitiert er einen berühmten deutschen Sozialdemokraten: «Gerhard Schröder sagte in einem Interview, die SPD-Spitze habe den grossen Fehler begangen, die Relation zwischen dem ökologisch Wünschbaren mit dem wirtschaftlich Machbaren aus den Augen zu verlieren. Dafür müsse man die Grundlagen schaffen.»

Zum Thema Handlungsfähigkeit und Mündigkeit der Schweiz meint Landmann: «Unterwerfung unter einen EU-Rahmenvertrag kommt aus meiner Sicht nicht in Frage. Seit 1972 haben wir ein Freihandelsabkommen mit der damaligen EG. Die anderen Abkommen neueren Datums funktionieren – ausser dem Freizügigkeitsthema.» Wir seien bereits jetzt gewaltig eingeschränkt. «Warum also», resümiert Landmann, «sollen wir unsere Fähigkeiten, selber Gesetze zu machen, über Bord werfen?»

Ganz ähnlich dick trägt auch Landmanns Wahllisten-Kollege Guido Tognoni auf. Auf die Eingangsfrage von Moderator Claude Vuillemin, mit welcher Person der einstige «Mr. Fifa» nicht zwei Wochen Ferien verbringen wolle, zieht Tognoni den Joker: «Greta!» (grosses Gelächter). «Wäre Vali nicht hier, wäre ich auch nicht da», eröffnet der gelernte Jurist und einstige Sport-Journalist sein Plädoyer über sich selber.

Die Lions-Club-Kollegen Tognoni und Landmann sind seit Universitätszeiten befreundet. «Vali sass bei den Vorlesungen immer in der ersten Reihe - als einziger mit Krawatte. Ich sass zuhinterst - beim Zeitunglesen. Aber deshalb ist er wohl auch der beste und bekannteste Anwalt der Schweiz geworden», feixt Tognoni.

«Niemand ist zu alt, um Politik zu machen», so der 69-Jährige zu seiner neuen Rolle. «Weil uns das Rahmenabkommen droht, möchte ich denen helfen, die dagegen sind, und das ist nun mal leider nur die SVP.»

Egal, was die SVP mache, die anderen machen das Gegenteil. «Die FDP», so Tognoni, «glaubt eher Greta, als zusammen mit der SVP gemeinsame Sache zu machen.» Wer so weit oben sei wie zuletzt die SVP - Tognoni begrüsst den anwesenden Partei-Haudegen Toni Bortoluzzi -, der müsse ja ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. 

Dann lässt er sich über Umweltschutz («Modebegriff Klimakatastrophe») und Klimawandel aus («...den ich nicht abstreite»). Und weist darauf hin, dass vor Millionen Jahren Zürich im Packeis lag und die Wüste unter Wasser. «Und damals gab es noch keine durch Menschen verursachte Klimaerwärmung.»

Mit Röhrliverbot und Raschelsäckli-Abschaffen sei es nicht getan. «Das ist Quatsch in Sachen Umweltpolitik. Sonnenflecken, überhaupt der Einfluss der Sonne, die unregelmässig scheint, werden negiert.» 

Er habe dreieinhalb Jahre in Katar gelebt, sagte Guido Tognoni gegenüber dem Klein Report. Dort habe es während 24 Stunden und 365 Tagen Abfackelungen von Öl- und Gasleitungen gegeben, die schwarze Fontänen rausliessen. «Fracht- und Kreuzfahrtschiffe sind die grössten Dreckschleudern. Ein Schiff allein produziert so viel Dreck wie 200'000 Autos.» Man plage lieber den kleinen Autofahrer als auf die Reedereien loszugehen. Sehr bedauerlich sei, dass keiner unserer Bundesräte je im Ausland gelebt habe, so Tognoni.

«Wer mal im Ausland gelebt und von dort aus in die Schweiz geschaut hat, sieht, wie wir beneidet werden. Und der Bundesrat reist mit zitternden Knien nach Brüssel und lässt sich als Rosinenpicker beschimpfen. Viele Politiker schämen sich sogar, dass es uns so gut geht, so wie die Linken. Viele Ausländer möchten am liebsten in der Schweiz leben. Auf der SVP-Fahne ist auch noch die Schweizer Flagge.»

Und der gebürtige Engadiner redet sich weiter in Rage: «Wir müssen der SVP Sorge tragen. Wir sind keine Feuerwehr-Partei. Die Menschen merken nicht, was mit dem Rahmenabkommen auf uns zukommt», so Tognoni gegenüber dem Klein Report.

Auch wenn die Chancen sehr klein sind, dass Kantonsrat Landmann und Jurist Tognoni in den Nationalrat gewählt werden: Beide legen sich für die SVP ins Zeug. Die Kriminalität aus dem Balkan sei happig, sind sie sich einig. Aber auch, dass die Frauen aus dem Balkan in der Alten- und Krankenpflege sehr wichtig seien - das sei die andere Seite. 

In unserem Recht herrsche eine teilweise gefährliche Entwicklung. Dass die Schweiz zum Teil aus finanziellen Gründen vor dem Verbrechen kapitulieren müsse, könne nicht sein. Resümee: «Das Hotel Schweiz ist voll.» Die Freizügigkeit sei auch der Grund, warum die Engländer aus Europa ausstiegen.