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Mittwoch
15.09.2021

Medien / Publizistik

«Ich pflege etwa so um zwei, halb drei, drei aufzustehen am Morgen»: Na dann gute Nacht, Herr Köppel... (Screenshot «Weltwoche daily»)

«Weltwoche»-Podcaster Roger Köppel inszeniert sich in seinem allmorgendlichen Podcast neu als Testimonial. Und als schlaflosen Helden der Arbeit.

«Wenn Sie so wenig schlafen wie ich. Wenn die Effizienz zählt. Wenn jede Sekunde eine Kostbarkeit der Erholung darstellt. Wenn sie also die begrenzte Tagesperiode, die sie zur Verfügung haben, optimal nutzen wollen, dann gibt es für sie nur noch einen Partner»: Unter diesen Bedingungen beginnt der Werbeblock, den der «Weltwoche»-Chef und SVP-Haudegen am Montag zum ersten Mal in seinen «daily»-Podcast eingebaut hat. 

Was folgt, ist ein Lobgesang auf einen Betten-Händler, dessen Name hier nichts zur Sache tut. Anhören darf man sich das von Minute 2:30 bis Minute 5:11, verschönert mit dem ganzen Drum und Dran der Liebeslyrik: «Best Price», «der Kunde ist König», «inhabergeführt» und «Probeschlafen zu Hause».

«Audiovisual Native» nennt der Verleger seine neue Mischung. In einer Medienmitteilung, die am Tag danach in die Mailbox des Klein Reports flatterte, ist von nichts weniger als einem «grossen Comeback eines Klassikers der Werbung» die Rede.

«Die Werbeform stammt aus den dreissiger Jahren und ist damit fast so alt wie die elektronischen Medien: der Live-Read. Dabei würdigt der Host einer Sendung vor laufendem Mikrofon ein Produkt oder eine Dienstleistung eines Unternehmens seines unbedingten Vertrauens. Mit dem Hype um die Podcasts erlebt diese Werbeform nun ein Revival – ausser in der Schweiz.»

Diese Lücke wird sich nun aber schliessen, «Weltwoche daily» sei dank. 

Doch auch in ganz eigener Sache macht der Host in seinem Podcast etwas deutlich: Hier spricht ein nimmermüder Arbeitsheld zu euch, ein «Schlafverweigerer», der Nacht für Nacht die stille Sucht bezwingt, um sich seinen «Aufgaben» zu stellen.

Köppels Tatendrang fordert allerdings seinen Tribut – und es ist fast rührend, wie er dies vor laufender Kamera gesteht oder wie es ihm herausrutscht: das Mittagsschläfchen im Büro.

Keine süssliche Siesta, wie der Chefredaktor sogleich klarstellt, sondern eben ein auf Effizienz getrimmter Power Nap: «Ich habe hier in meinem Büro ein Bett von Schlafwohl installieren lassen, um mich, jeweils über Mittag... – wenn ich am Morgen wieder mal etwas früh aufgestanden bin, ich pflege etwa so um zwei, halb drei, drei aufzustehen am Morgen – ...wenn ich mich da etwas hinlegen muss auf einem Bett der Firma Schlafwohl, weil dort eben die Erholungseffizienz am grössten ist.»