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Montag
11.03.2019

Medien / Publizistik

«Genial, mal so viele Frauen in der Zeitung!»

Zum Internationalen Weltfrauentag erschien das «Liechtensteiner Vaterland» am Freitag für einmal als «Frauenland».

Im Gespräch mit dem Klein Report erzählt Redaktorin Nathalie Bagnoud, welche Hürden es zu meistern gab, wie die Stammleser reagierten und wie die Sonderausgabe auf der Führungsetage ankommt.

Bleibt das «Frauenland» eine Eintagsfliege beim «Liechtensteiner Vaterland»?
Nathalie Bagnoud: «Die Redaktion bemüht sich täglich darum, dass Frauen in der Tageszeitung und unseren anderen Print-Produkten sichtbar sind. Dies gestaltet sich jedoch als Mammutaufgabe, wie wir besonders bei der ´Frauenland`-Ausgabe erfahren mussten.»

Auf welche Hürden stiessen Sie denn bei der Umsetzung der Sonderausgabe?

Bagnoud: «Ein Beispiel: Unsere Videojournalistinnen wollten eine Strassenumfrage mit Frauen durchführen, sie zu ihren Meinungen zum Weltfrauentag befragen. Viele Stunden waren sie unterwegs und mussten eine Absage nach der anderen kassieren.»

Haben Sie eine Vermutung weshalb?

Bagnoud
: «Die genannten Gründe waren unterschiedlich: ´Ich habe nichts zum Weltfrauentag zu sagen`, ´Ich habe keine Zeit` oder ´Ich habe keine Ahnung`. Diese Zaghaftigkeit hat uns überrascht. Alle Bemühungen, Frauen sichtbarer machen zu wollen - und zwar langfristig und nicht nur am Weltfrauentag -, nützen wenig, wenn es fast keine Superheldinnen gibt, die sich trauen, die Maske fallen zu lassen.»

Wie waren die Rückmeldungen der Leserinnen und Leser? Gabs empörte «Vaterland»-Stammleser? 
Bagnoud: «Die Reaktionen sind bisher unterschiedlich. Positive Rückmeldungen erhielten wir per Mail von beiden Geschlechtern und jeder Altersgruppe. Leser lobten beispielsweise die Aktion ´Männeraufgabe`: Drei Mitarbeiter schlüpften dabei für ein paar Stunden in einen ´typischen` Frauenberuf. Eine Leserin fand es ´genial`, dass einmal ´so viele Frauen in der Zeitung` seien.»

Und was wurde dem «Liechtensteiner Frauenland» angekreidet?
Nathalie Bagnoud: «Auf den sozialen Netzwerken wurden Inhalte, besonders von Frauen, auch negativ aufgenommen. Die Rede war von ´scheinheiligem Solidaritätsappell` oder davon, dass diese Ausgabe eine einmalige ´Frauenjubelnummer` sei.»

Sind weitere «Frauenland»-Projekte geplant?
Bagnoud
: «Geplant noch nicht, aber auf alle Fälle denkbar und gewünscht. Nicht nur das Engagement der Redaktion spricht dafür, sondern auch die Thematik an sich. Es ist doch schon erstaunlich, dass es im Jahr 2019 überhaupt noch einen Tag braucht, an dem weltweit auf Frauenrechte und Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wird. Themen wie den Lohn-Gap oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wollen wir auch das Jahr über behandeln.» 

Wie schwer oder leicht war es, die «Frauenland»-Idee in Redaktion und Verlag «durchzubringen»? Gabs auch Stimmen, denen zum Beispiel ein Eingriff in den Zeitungsnamen zu krass war? 
Bagnoud
: «Den Denkanstoss für dieses Projekt gab uns vergangenes Jahr unser Chefredaktor Patrick Schädler. Nach der ersten Durchführung war es CEO Daniel Bargetze, der unser Projekt an die Verantwortlichen des Print Innovation Award der World Association of Newspapers (WAN-IFRA) in Berlin einreichte. Wir hatten und haben auch heute hundertprozentige Unterstützung auf allen Ebenen.»