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Mittwoch
31.03.2021

Kino

Bei den Oscars und am Sundance-Festival gefeiert, in China verpönt:«Do not split», eine Dokumentation über die Proteste in Hongkong... (Bild: Field of Vision)

Erstmals seit einem halben Jahrhundert wird die Oscar-Verleihung 2021 in Hongkong nicht mehr übertragen.

Aus «rein kommerziellen» Erwägungen sei entschieden worden, die Gala in diesem Jahr nicht auszustrahlen, sagte am Montag eine Sprecherin des Senders TVB, auf dessen englischsprachigem Kanal die Zeremonie seit 1969 zu sehen war.

Ob die Oscar-Verleihung am 25. April auf dem chinesischen Festland ausgestrahlt wird, ist unklar. Klar ist hingegen, dass der Film «Do not split» in der Kategorie «Bester Dokumentar-Kurzfilm» für einen Academy Award nominiert ist.

Bei der Dokumentation des norwegischen Filmemachers Anders Hammer geht es um die Demokratieproteste 2019 in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Seitdem hat Peking die Autonomierechte der früheren britischen Kolonie mehr und mehr eingeschränkt und die pro-demokratische Opposition mundtot gemacht.

Im alltäglichen Kulturbetrieb haben der politische Druck und die Selbstzensur in Hongkong stark zugenommen. Eine Universität sagte eine geplante Ausstellung von Pressefotos zu den Protesten ab. Am Montag teilte dann Hongkongs neues Museum für zeitgenössische Kunst, M+, mit, dass Ai Weiweis Foto vom Tiananmen-Platz mit seinem ausgestreckten Mittelfinger nicht in seiner Eröffnungsausstellung zu sehen sein wird.

Auch in China selbst greift die Zensur. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte bereits Anfang März berichtet, dass die Propagandaabteilung der chinesischen KP alle staatlich kontrollierten Medien auf dem Festland angewiesen hat, Hollywoods wichtigste Auszeichnungen herunterzuspielen und die Gala nicht live zu zeigen.

Am Dienstag der letzten Märzwoche hat Chinas Führung zudem eine radikale Wahlrechtsreform für Hongkong beschlossen. Präsident Xi Jinping habe die Veröffentlichung der Wahlrechtsänderung verfügt, meldete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Durch die Reform erhält Peking die Kontrolle über die Kandidaten-Auswahl bei Parlamentswahlen in Hongkong und kann bestimmte Kandidaten ausschliessen. Gefragt seien jetzt «Patrioten».