Content:

Montag
11.01.2021

Vermarktung

«Zentral ist es, digital und klassisch geschickt miteinander zu verbinden», sagt Tom Hanan, Gründer der Digitalagentur Webrepublic.

Die Digitalagentur Webrepublic hat Ende Jahr angekündigt, dass sie künftig auch im klassischen Mediageschäft mitmischt

Im Gespräch mit dem Klein Report sagt Gründer und CEO Tom Hanan, wie es zu dem Entscheid kam, was die Expansion mit der neuen Kooperation mit Wirz zu tun hat und was es mit dem Revoluzzer-Stern im Firmen-Logo auf sich hat.

Wie hat sich das Corona-Jahr bisher auf die Geschäftsbücher von Webrepublic ausgewirkt?
Tom Hanan: «Da wir als Agentur sehr breit aufgestellt sind, sind wir gut durch die Krise gekommen. Nicht nur mussten wir niemanden entlassen, wir konnten sogar neue Webrepublicans einstellen. Und wir investieren in neue Bereiche wie 360 Media, wo wir ebenfalls das Team erweitern. 2020 hat der Digitalisierung nochmals einen starken Schub verpasst, das kommt uns als Digitalagentur entgegen. Wir beobachten eine grosse Beschleunigung der Investitionsbereitschaft in Onlinemarketing, aber auch in die technische Infrastruktur.»

Was erwarten Sie von 2021?
Hanan
: «Der eben erwähnte Trend, die Verschiebung ins Digitale, wird sich weiter fortsetzen. Doch genauso gewinnt die ganzheitliche Abdeckung der User Journey für Unternehmen an Bedeutung. Das ist ein Grund dafür, warum wir in den Ausbau unseres Angebots investieren und nun einen Full Service für alle digitalen und klassischen Kanäle anbieten. Als Firma werden wir uns 2021 darauf fokussieren, diese Dienstleistung im Markt zu etablieren und für unsere Kunden die komplette kommunikative Wertschöpfungskette abzudecken.»

Wie schauen Sie aufs vergangene Jahr zurück?
Tom Hanan
: «Das vergangene Jahr hat uns mehr denn je gezeigt, wie wichtig Vertrauen, langjährige Partnerschaften und die Kraft der Innovation sind. Mit diesen Werten als Grundpfeiler unserer Arbeit starten wir auch ins neue Jahr.»

Anfang Dezember hat Webrepublic angekündigt, ins klassische Mediageschäft einzusteigen. Wie kam es zu diesem Entscheid?
Hanan
: «Die Expansion auf 360 Grad Media ist für uns der logische nächste Schritt: Wir haben vor über zehn Jahren als Agentur für Suchmaschinenmarketing angefangen. Mittlerweile sind wir die grösste Digitalmarketing-Agentur der Schweiz. Die digitale Mediaplanung auf Plattformen wie Google, Facebook und Co. bieten wir also schon seit ein paar Jahren an – nun machen wir das auch für Offlinekanäle. Da mittlerweile auch klassische Medien wie TV und Out-of-Home immer mehr programmatisch buchbar sind, können wir unsere Expertise auf diese Kanäle ausdehnen.»

Die Ankündigung hat für Unruhe im Markt gesorgt. Die Expansion von Webrepublic wurde zum Teil als Angriff auf etablierte Strukturen empfunden. Wo sehen Sie Ihre Chancen?
Tom Hanan: «Wir haben nicht umsonst noch den Revoluzzer-Stern im Logo (lacht). Unsere innovative und disruptive Vorgehensweise hebt uns von der Konkurrenz im doch sehr konsolidierten Markt ab. Unsere Chance sehen wir darin, dass wir grossangelegte Digitalkampagnen, die sehr komplex sind, so gut beherrschen wie kein anderer im Markt. Mit der Expansion ziehen wir den Approach ‚digital first‘ in die klassische Mediaplanung weiter und bauen die differenzierten Strategien für vielfältige Plattformen, Formate, Targetings und Messmöglichkeiten in die Offline-Welt aus. Wir bieten Kampagnen aus einer Hand, die alle Punkte der Customer Journey abdecken – heutzutage ein entscheidender Erfolgsfaktor für Unternehmen.»

Die klassischen Kanäle sind Neuland für Ihre Digitalagentur. Wie orientieren Sie sich da?
Hanan
: «Es ist uns wichtig, die klassische Mediaplanung aus digitaler Perspektive anzugehen, denn eine datengetriebene, performanceorientierte Arbeitsweise ist in unserer DNA verankert. Konkret heisst das, dass Kampagnen zuerst die digitale Komplexität abbilden. Erst danach ziehen wir sie in die physische Welt, wo die Reichweite und Wirkung durch TV, Out-of-Home und Print vergrössert wird. Wie bereits erwähnt, machen wir seit einigen Jahren die digitale Mediaplanung für unsere Kunden. Bei einigen Projekten übernahmen wir zudem die Gesamtstrategie und haben entsprechend alle Kanäle, egal ob digital oder klassisch, optimal aufeinander abgestimmt.»

Für den Einstieg ins klassische Geschäft müssen Sie vermutlich Ihr Team ausbauen. Wie ist da der Stand der Dinge? Um wie viel wird das Team aufgestockt?
Tom Hanan
: «Ja, wir bauen das Media-Team aus und stellen neue Mitarbeitende mit langjähriger Erfahrung in klassischer Werbung ein. Diese werden eng mit den Digital-Spezialistinnen und -Spezialisten zusammenarbeiten. Wir konnten einige äusserst kompetente und erfahrene Expertinnen und Experten für uns gewinnen und freuen uns sehr, dass diese demnächst bei uns beginnen.»

Woher kommen die Leute?
Hanan
: «Die neuen Teammitglieder bringen alle viel Erfahrung im Bereich Media mit und haben erfolgreiche Karrieren in etablierten Schweizer Mediaagenturen.»

Wird ein eigenes Team für die klassische Werbevermarktung aufgebaut?
Tom Hanan
: «Nein, wir gründen keine separate Unit, die Spezialistinnen und Spezialisten für klassische Medien werden vollständig in unsere digitalen Teams integriert. Es entsteht eine Abteilung aus rund 35 Leuten mit Expertise für alle Medien, die eng mit dem zehnköpfigen Kreativteam zusammenarbeitet. Diese Organisation ermöglicht ein gemeinsames strategisches Verständnis aller Teammitglieder sowie eine integrierte Planung der digitalen und klassischen Massnahmen.»

Was kann die klassische Werbevermarktung aus Ihrer Sicht von der digitalen lernen?
Hanan
: «Ein grosser Vorteil, den das Digitalmarketing gegenüber dem klassischen Marketing hat, ist, dass man mit relativ wenig Aufwand zuverlässige und datenbasierte Erkenntnisse aus den Kampagnen ziehen kann. Dadurch ist es möglich, laufende Kampagnen ständig zu optimieren und die Planung etwas flexibler zu gestalten. Dieser Ansatz birgt auch für die klassische Werbevermarktung grosses Potenzial.»

Wo ist das Klassische dem Digitalen voraus?
Tom Hanan
: «Die Reichweite von Out-of-Home und TV ist nach wie vor gross und erzielt seine Wirkung vor allem für Brand-Awareness-Kampagnen. Deswegen sollten auch alle Digitalmarketer – trotz exaktem Targeting und laufender Optimierung – die Wirkung klassischer Medien nicht unterschätzen. Zentral ist es, die beiden Bereiche geschickt miteinander zu verbinden und für jedes Produkt oder jede Marke den geeigneten Marketingmix auszuarbeiten. Unabhängig davon, ob digital oder klassisch.»

Erst vor drei Monaten hatte Webrepublic zudem angekündigt, künftig mit Wirz zusammenzuarbeiten. Wie muss man sich diese Partnerschaft konkret vorstellen? Was haben Webrepublic und Wirz voneinander?
Hanan
: «Wir nennen die Zusammenarbeit BoB – Best of Both: ein Full-Service-Angebot, das von zwei Marktleadern getragen wird. Konkret steht Wirz das Digital-Know-how von Webrepublic umfassend zur Verfügung und umgekehrt Webrepublic die Kreativ-Power von Wirz. Wir glauben daran, dass wir durch diese Partnerschaft das Beste beider Agenturen gewinnbringend für unsere Kunden einsetzen können und das kompetenteste Angebot der Schweiz bauen.»

Was hat dieser kreative Sukkurs durch Wirz mit der Expansion ins klassische Mediageschäft zu tun?
Hanan
: «Beides sind strategische Schritte, die dazu führen, dass wir unseren Kunden Full-Service-Lösungen über alle Kanäle hinweg aus einer Hand anbieten können. Indem wir Kreation, Media und Technologie von Anfang an miteinander verzahnen, brechen wir Silos auf und minimieren gleichzeitig die Schnittstellen. Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette ab und begleiten die Zielgruppe über die komplette Customer Journey.»