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Donnerstag
08.11.2018

Medien / Publizistik

Alexandria Ocasio-Cortez als Jüngste gewählt

Die USA haben gewählt: Auch 31 weibliche Kandidatinnen nehmen neu im Repräsentantenhaus Platz. Zusammen mit den 65 Amtsinhaberinnen, die ihre Sitze verteidigen konnten, ziehen sie gemäss CNN mit einer neuen Rekordvertretung von 96 Frauen in den US-Kongress ein.

Die Kolumnistin Regula Stämpfli stellt für den Klein Report erste Beobachtungen an, wie in den Medien über die Wahlen berichtet wird.

Die von Frauen gewonnen Wahlsitze im Repräsentantenhaus verführen die Journalistinnen und Journalisten zu Hymnen an die Adresse der Demokraten. Diese stellen tatsächlich zwei Drittel aller Frauen in der US-amerikanischen Politik.

Wer jedoch auf die Entwicklungen der letzten Jahre schaut, stellt fest: Der Höhenflug von Exekutivpolitikerinnen (Gouverneurinnen) liegt schon 14 Jahre zurück und fällt in die Amtszeit von George W. Bush. Unter der folgenden Amtszeit von Barack Obama nahm der Frauenanteil in Exekutivpositionen ab.

Dass im Repräsentantenhaus so viele Frauen gewannen, liegt - anders als alle Kommentatoren meinen - nicht in erster Linie an Donald Trump, sondern bestätigt den Trend der letzten Jahre: Im Repräsentantenhaus ging es für Frauen stetig aufwärts. Dies im Unterschied beispielsweise zur Schweiz, wo sich die parlamentarischen Wahlerfolge der Frauen und die Vertretung von Regierungsrätinnen sehr verlangsamt haben.

Punkto Medienpräsenz haben die Frauen in der Schweiz seit 2011 sogar verloren, daran wird auch die weibliche Nachfolge von SRF-Direktor Ruedi Matter nichts ändern. Schliesslich hatte das Schweizer Fernsehen ja sogar schon einmal eine Direktorin, unter deren Programmkonzeption die Boulevardisierung von SRF Riesenschritte nahm. In der Schweiz gilt: Frauen in Politik, Medien wie Kultur sind nicht stetig vertreten, sondern grossen Fluktuationen gegen unten unterworfen.

In den USA hingegen ist das Fortkommen von Frauen in der Politik und in den Medien konstant. Den Frauenwahlsieg im Repräsentantenhaus medial nun als grossen Sieg gegen Donald Trump zu deuten, ist voreilig und unzutreffend. Zumal Trump und «seine» Partei die Mehrheit im Senat sehr erfolgreich verteidigt haben.

Die #MeToo-Bewegung oder die Frauendemonstrationen einseitig für den Wahlsieg der Frauen verantwortlich zu machen, ist ebenfalls reines Mediengeschwätz: Alle neu gewählten Frauen wurden schon seit einigen Jahren und vor der Wahl des 45. Präsidenten politisiert und aufgebaut. Dies an die Adresse jener, die meinen, Demokratie werde durch Hashtags entschieden.

Nur etwas kann man so kurz nach den Midterm Elections festhalten: Sie sind Beweis für die funktionierende Demokratie in den USA. Man stelle sich doch nur einmal vor, in Palästina hätten Wahlen stattgefunden und gewählt worden wären zwei jüdische Frauen und ein erster offener schwuler Palästinenser. Dies an die Adresse all jener, die seit zwei Jahren medial die USA als regelrechten Verbrecherstaat diffamieren.