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Mittwoch
27.01.2021

Medien / Publizistik

Mitinitiant Gilbert Bühler für Holding-Klausel

Der Streit der Verleger um die Online-Förderung geht in eine neue Runde. Kleine und mittlere Verlage haben sich zu einer neuen Interessengemeinschaft formiert. So wollen sie die sogenannte Holding-Klausel gegen den Angriff der Grossverlage verteidigen.

Der Vorschlag des Bundesrats für die künftige Online-Förderung sieht vor, dass die kleinen Verlage überproportional stärker gefördert werden als die grossen. Bei den Grossverlegern stiess dieser degressive Verteilschlüssel auf Widerstand.

Um diese Holding-Klausel gegen die Interessen der Grossverleger zu verteidigen, hat sich nun die «IG Kleine und mittlere Verlage» formiert.

Darauf angesprochen, warum es die Holding-Klausel unbedingt brauche, sagte Gilbert Bühler, CEO der Freiburger Nachrichten AG und Mitinitiant der IG, auf Anfrage des Klein Reports am Dienstag: «Weil jene Verlage, die Skaleneffekte und hohe Reichweiten haben und diese zu Geld machen können, sonst zu hohe Subventionen bekommen würden.»

Nach dem Vorschlag des Bundesrates bekämen die «grossen Acht» von den 30 Millionen Online-Förderung trotz Degression immer noch 54 Prozent, unterstreicht Bühler. Zu den Grossen gehört neben Tamedia, Ringier, NZZ, CH-Media auch die Südostschweiz und das Online-Magazin «Republik».

Dank der Holding-Klausel käme der Rest von 46 Prozent den rund 100 kleinen und mittleren Zeitungstiteln zugute. Dies bei einem Auflagenanteil von 23 Prozent, rechnet Gilbert Bühler vor.

«Diese überproportionale Unterstützung ist zentral, damit unabhängige Lokal- und Regionaltitel wie beispielsweise ‚Bote der Urschweiz‘, ‚Engadiner Post‘, ‚Freiburger Nachrichten‘, ‚Luzerner Landzeitungen‘, ‚Volksstimme‘ oder ‚Wohler Anzeiger‘ weiterhin ihren demokratiepolitischen Beitrag leisten können.»

Im letzten August hatte Peter Wanner in seiner Zeitung «Schweiz am Wochenende» den Entwurf des Bundesrats für die neue Online-Förderung wortreich zerpflückt. Und damit für Unmut bei Gilbert Bühler und seinem Verleger-Kollegen Christof Nietlispach von der Freiämter Regionalzeitungen AG gesorgt, wie die «Republik» damals berichtete. Nietlispach und Bühler sitzen zusammen mit Wanner im Präsidium des Verlegerverbandes.

Die Initiative, sich zu einer eigenen Interessengemeinschaft zusammenzuschliessen, sei von der Freiburger Nachrichten AG und den Freiämter Medien ausgegangen, so Bühler weiter zum Klein Report. Die Verleger zu mobilisieren, sei ein Kraftakt gewesen: «Bis so etwas steht, muss man schon etwas motoren.»

Dass es knarrt im Gebälk des Dachverbands, ist ein offenes Geheimnis. Auf der Website des Verbands Schweizer Medien (VSM) ist inzwischen hochoffiziell zu lesen, dass in Sachen Digitalförderung «die Positionen innerhalb unseres Verbands auseinandergehen».

«Ja, bei der Online-Förderung haben wir Differenzen», resümierte Bühler gegenüber dem Klein Report am Dienstag. «Und die blockieren auch die Branche.»

Die beiden anderen Punkte des dreiteiligen Medienpakets – die indirekte Presseförderung und die Unterstützung von Brancheninitiativen – seien bei allen Verbands-Mitgliedern aber unumstritten.

Apropos indirekte Presseförderung: Von den zusätzlichen 60 Millionen Franken würden gemäss Gesetzes-Entwurf die sieben grössten Verlage mit rund 80 Prozent profitieren. 20 Prozent gingen an die kleinen und mittleren Verlage.