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Samstag
25.05.2019

Medien / Publizistik

«Insbesondere wurden teilweise spekulative, vor Gericht nicht belegte Vorwürfe in einer Art verbreitet, welche die Unschuldsvermutung missachtete.»

Der langjährige Gerichtskampf zwischen Millionenerbe Carl Hirschmann und Tamedia ist vorbei. Hirschmann wird eine Genugtuung zugesprochen. Zudem hat sich Tamedia öffentlich für die Persönlichkeitsverletzungen entschuldigt.

«Entschuldigung»: So titelten unter anderem «Tages-Anzeiger» und «20 Minuten» am Donnerstag. Die beiden Zeitungen und weitere Publikationen der Tamedia-Gruppe hätten laut Bundesgericht mit zahlreichen Berichten zwischen November 2009 bis Januar 2012 die Persönlichkeit von Jetsetter und Millionenerbe Carl Hirschmann verletzt.

«Insbesondere wurden teilweise spekulative, vor Gericht nicht belegte Vorwürfe in einer Art verbreitet, welche die Unschuldsvermutung missachtete», heisst es weiter im Entschuldigungs-Text. Daneben ist ein Bild von Hirschmann zu sehen, das ihn mit aufgeknüpftem Hemd, ganz légère an ein Bücherregal gelehnt, zeigt.

Davor hatten sich Hirschmann und Tamedia vor Gericht über Jahre duelliert: Der Streit gelangte bis vor Bundesgericht, auch das Zürcher Handelsgericht musste sich gleich mehrfach mit dem Dossier befassen.

Hirschmann forderte mitunter eine Genugtuung für den seelischen Schmerz, den er aufgrund der persönlichkeitsverletzenden Berichterstattung erlitten habe. Nun hat das Handelsgericht Hirschmann eine Genugtuung für eine «eine schwere immaterielle Unbill» zugesprochen.

«Über die Höhe dieser Genugtuung machen wir keine Angaben», heisst es auf Nachfrage des Klein Reports bei der Hirschmann-Seite. Auch der genaue Inhalt der aussergerichtlichen Einigung, die den Streit schliesslich endgültig besiegelte, bleibt geheim. Die Parteien hätten Stillschweigen vereinbart.

Klar ist aber: Mit der öffentlichen Entschuldigung durch Tamedia ist eine allfällige Gewinnherausgabe für die verletzenden Berichte endgültig vom Tisch. Weil sich auch Ringier bereits 2012 im Rahmen einer aussergerichtlichen Einigung bei Carl Hirschmann entschuldigt hatte, wird die Frage, wie viel Gewinn die beiden Verlage auf Kosten von Hirschmanns Persönlichkeit erzielt hatten, also nie geklärt werden.