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Donnerstag
29.10.2020

Medien / Publizistik

Der Präsident tobt, das Netz lacht. Und Mohammed kratzt sich wohl am Bart...

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat die französische Satirezeitung «Charlie Hebdo» wegen einer Karikatur von ihm scharf attackiert. «Charlie Hebdo» hatte auf der Titelseite seiner Mittwochsausgabe eine Karikatur veröffentlicht, die Erdoğan in Hemd und Unterhose mit einer Dose Bier zeigt.

Erdoğan hebt darauf mit den Worten «Ooh, der Prophet» den Rock einer verschleierten Frau hoch und enthüllt ihr nacktes Hinterteil. Betitelt ist die Karikatur mit den Worten: «Erdoğan: Unter vier Augen ist er sehr lustig». Die Ausgabe wurde am Dienstagabend bereits online veröffentlicht.

Zwar hat sich der türkische Präsident die Zeichnung gar nicht angesehen, da er «solchen unmoralischen Veröffentlichungen keine Ehre erweisen» wolle.

Aber: «Ich habe diesen Schurken, die meinen geliebten Propheten in einem solchen Ausmass beleidigen, nichts zu sagen», wetterte Erdoğan vor Abgeordneten seiner Partei im Parlament. Er sei «traurig und frustriert», nicht wegen des Angriffs auf ihn, sondern wegen der Beleidigungen des Propheten Mohammed.

Die Staatsanwaltschaft von Ankara leitete Ermittlungen gegen die Leitung von «Charlie Hebdo» ein. Die Türkei hat wegen der Karikatur juristische und diplomatische Schritte angekündigt.

Die Erdoğan-Karikatur befeuert den zuletzt eskalierten Streit zwischen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem türkischen Staatschef. Auslöser der Spannungen waren Macrons Aussagen zur Verteidigung der Meinungsfreiheit. Ein Lehrer wurde ermordet, weil er Mohammed-Karikaturen von «Charlie Hebdo» in seinem Medien-Unterricht gezeigt hatte.

Der französische Präsident unterstrich daraufhin die Meinungsfreiheit und erklärte, in Frankreich würden solche Karikaturen auch künftig gezeigt.