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Mittwoch
25.7.2018

IT / Telekom / Druck

Metadaten: «Albtraum für Privatsphäre»

Am Alan Turing Institute des University College in London wurde Twitter im Hinblick auf die von den Usern abgegebenen Informationen untersucht.

Regula Stämpfli hat sich für den Klein Report die Studie angesehen, die zeigt, wie wichtig eine Rückbindung von Twitter et al. an die demokratischen Verfassungsrechte wäre. 

Metadaten sind überall: Sie dienen der Identifikation, der Überprüfung von Alibis durch die Polizei und natürlich der Definition von Werte- und Warengruppen für Werbeagenten. Nicht bekannt war bisher, dass Metadaten auf Twitter auch bei Usern, die bezüglich ihrer persönlichen Daten sehr vorsichtig sind, in kürzester Zeit alles über Account und Identität preisgeben können. «Your Tweets, it tuns out, not matter how anonymous you might think they are, can be traced back to you with unerring accuracy. All someone needs to do is look at the metadata», schreibt das Portal Wired.

Es gibt bei jedem Tweet 144 obskure Datenfelder, die für Twitter Gold wert sind. Die Metadaten beschreiben nicht nur Hashtags, Views, Retweets, Likes, Posts usw., sondern geben detailliert über den Nutzer oder die Nutzerin Bescheid. Die Studienleiter haben ein ganz einfaches Datenprogramm benutzt, um die individuellen User zu identifizieren: «Wir konnten anhand der Metadaten jeden von 10'000 Nutzer mit einer Genauigkeit von über 96,7 Prozent identifizieren.»

Die meisten User würden sagen: «So what?» Das Problem ist indessen, dass diese Metadaten direkt mit dem realen Leben verbunden sind. Wer meint, online bleibe online, irrt völlig. Metadaten geben beispielsweise präzise darüber Auskunft, wann jemand zuhause ist und wann nicht. «Twitter's vast metadata haul is a privacy nightmare for users.» Frei übersetzt: Twitters Metadaten stellen einen veritablen Albtraum für Persönlichkeits- und Privatrechte dar.

Nach den Gafa (Google, Apple, Facebook und Amazon) nun also auch Twitter: Hier wird Verfassungsbruch (Recht auf Privatsphäre) alltäglich. Oder würden Sie in Ihrer Strasse, in Ihrem Wohnblock einen Zettel aushängen, auf dem Sie mitteilen, wann Sie zu Hause oder in den Ferien sind?

Demokratische Grundrechte werden von den Gafa und von Twitter wie lächerliche Beipackzettel betrachtet, welche die Herren im Silicon Valley nicht weiter zu irritieren brauchen. Höchste Zeit, diese Misspraktiken aufgrund des neuen europäischen Datenschutzgesetzes einzuklagen. Nur: Wo sind die entsprechenden Staatsrechtler und Verfassungsrechtlerinnen?