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Freitag
08.01.2021

Medien / Publizistik

«Heute journal»-Chef Wulf Schmiese: «Die Schläger hatten auch die Video-Telefone gekapert und versuchten, unseren Schaltraum durch Droh-Anrufe zu terrorisieren.» (Bild: Twitter/@ethevessen)

Brenzlige Situation in Washington: Beim Sturm auf das Kapitol haben Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump Medienschaffende des ZDF angegriffen. Die Reporter blieben dabei unverletzt.

Bei der ARD hingegen musste eine Liveschaltung sicherheitshalber unterbrochen werden.

Am späten Mittwochabend konnte man live die Stürmung des Kapitols mitverfolgen, bei der am Ende vier Menschen starben und Dutzende verletzt wurden. Rechtsextreme Trump-Fans waren ohne nennenswerte Gegenwehr in das Parlamentsgebäude in der Hauptstadt eingedrungen. Sie behinderten den Kongress bei der Bestätigung der Wahl von Joe Biden.

Beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) erläuterte Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des Nachrichtenmagazins «heute journal», am Donnerstagmorgen das Geschehene: «Unser Korrespondent Elmar Thevessen stand mit seinem Team inmitten der Gewalt. Hinterher wurde er Opfer des wütenden Mobs in Washington.»

Thevessen und seinen Leuten sei «gottlob nichts passiert», fügte Schmiese an. «Die Angreifer haben das Übertragungsmaterial zerstört, dessen sie habhaft werden konnten, sie haben stumpf eingeschlagen auf das teure Equipment, bis es unrettbar zerstört war.» Eine weitere Schalte für das «heute journal Spezial» sei unmöglich geworden.

«Die Schläger hatten auch die Video-Telefone gekapert und versuchten, unseren Schaltraum durch Droh-Anrufe zu terrorisieren. Wir haben unseren Mann vor dem Kapitol dann über ein anderes Telefon bildlos erreicht», fasste Wulf Schmiese die Ereignisse zusammen. Dank Ersatzausrüstung konnte später wieder ein Bild hergestellt werden.

Bei der ARD musste gar eine Liveschaltung unterbrochen werden: «Die ARD-Korrespondentin Claudia Buckenmaier und ihr Kamerateam haben aus Sicherheitsgründen die Schaltposition gewechselt, um weiter zu berichten. Wir sind froh, dass sie unbeschadet geblieben sind», twitterte das Team der «Tagesthemen».

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in einer Stellungnahme vom Donnerstagmorgen scharf verurteilt. «Es zeigt sich wieder einmal, wie sehr die Anhänger von Donald Trump die Demokratie und Pressefreiheit verachten, angestachelt durch den abgewählten US-Präsidenten und seine Leute», schrieb der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall.

Nach Angaben des Journalistenverbandes seien auch Medienschaffende von RTL/n-tv und Associated Press vom Chaos der Trump-Fans betroffen gewesen.