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Mittwoch
26.02.2020

Medien / Publizistik

«Die Zweifel bleiben», findet der «Blick»....

Kaum ein Thema emotionalisiert und polarisiert derart stark wie der Fussball: Die Meldung, dass der Schweizerische Fussballverband (SFV) den Vertrag mit seinem Trainer Vladimir Petkovic vorzeitig verlängert, wurde in den Medien so ausführlich kommentiert wie die Wahl eines Bundesrates.

Die leise Enttäuschung über den Entscheid des Fussballverbands, mit Petkovic in die Verlängerung zu gehen, konnte der «Blick» nicht verbergen. Die Zeitung gehört zu den härtesten Kritikern des Nati-Trainers, obwohl Petkovic gemessen am Punktedurchschnitt der erfolgreichste Schweizer Fussball-Lehrer aller Zeiten ist.

Im November letzten Jahres forderten «Blick»-Sportchef Felix Bingesser und Fussballchef Andreas Böni einen neuen Kopf für die Fussball-Nati. Immer wieder kritisierten sie die Öffentlichkeitsarbeit von Petkovic. «Will man die Nati in der Öffentlichkeit besser und sympathischer positionieren, ist ein neuer, unverbrauchter Kopf als Trainer unumgänglich», befand Böni.

«Die Zweifel bleiben», kommentierte «Blick»-Sportchef Felix Bingesser nun am Dienstag nach der Vertragsverlängerung. Trotz einwandfreiem Leistungsnachweis suchte er das Haar in der Suppe – und betonte erneut die kommunikativen Defizite Petkovics. «Gelingt es ihm, sich und die Nati bei den Fans besser und nachhaltiger zu positionieren und das wichtigste Sportprojekt des Landes offener und sympathischer zu verkaufen?», fragte Bingesser.

Auch die «Neue Zürcher Zeitung» attestierte Vladimir Petkovic «kommunikative Mankos», unter anderem im Zusammenhang mit der «Doppeladler-Affäre», zu der sich Petkovic zu lange ausgeschwiegen habe. So auch der «Tages-Anzeiger», der Petkovic in der Pflicht sieht, sich um eine «positivere Aussendarstellung» zu bemühen.

Stephan Ramming resümierte in seinem Kommentar für die NZZ: «Und schliesslich müsste der Verband Petkovic für die Zukunft anhalten, greifbarer zu werden als öffentliche Figur, die den Schweizer Fussball und die wichtigste Sportmannschaft des Landes besser repräsentiert.»

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Die Vertragsverlängerung von Vladimir Petkovic ist aus sportlicher Sicht folgerichtig. Die Sportjournalisten und der Fussballverband wünschen sich jedoch, dass der Nationaltrainer noch an seinen Fähigkeiten als Kommunikator, Verkäufer, Identifikationsfigur und Emotionsvermittler arbeitet.