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Donnerstag
14.01.2021

Medien / Publizistik

«Es wird täglich Artikel geben, die wir in allen Zürcher Tamedia-Titeln bringen», sagt die Tamedia-Kommunikationschefin...

Die vier Zeitungen «Tages-Anzeiger», «Der Landbote», «Zürichsee-Zeitung» und «Zürcher Unterländer» spannen in einem neuen Tamedia-Redaktionsnetzwerk zusammen. Ab dem 1. Juni werden die Titel im Zürcher Zeitungsverbund die kantonale Berichterstattung teilen.

Der Klein Report hat bei Nicole Bänninger, Kommunikationschefin Tamedia, nachgefragt, was der neue Verbund für die Redaktionen bedeutet und wie sich die vier Zeitungen in Zukunft voneinander unterscheiden.

Am 1. Juni geht das neue Redaktionsnetzwerk im Kanton Zürich sozusagen in Betrieb. Was beinhaltet die Kooperation zwischen «Tages-Anzeiger», «Landbote», «Zürichsee-Zeitung» und «Zürcher Unterländer»?
Nicole Bänninger: «Die Zürcher Tamedia-Zeitungen werden künftig insbesondere auf kantonaler Ebene redaktionell näher zusammenarbeiten. So wird es täglich Artikel geben, die wir in allen Zürcher Tamedia-Titeln bringen, insbesondere über das Geschehen in der Stadt Zürich und der kantonalen Politik. Das Netzwerk erlaubt uns einerseits, Synergien zu nutzen. Andererseits sind der ‚Tages-Anzeiger‘ und die Zürcher Regionalzeitungen im Verbund redaktionell stärker und können den Leserinnen und Lesern über das ganze Zürcher Einzugsgebiet hinaus gegenseitig bessere Geschichten und grössere Recherchen bieten.»

Tamedia schreibt, dass die bestehende redaktionelle Zusammenarbeit ausgebaut wird. Werden zusätzliche Stellen geschaffen? Oder werden insgesamt Stellen abgebaut? Wenn ja, wie viele?
Bänninger: «Mit rund 90 Journalistinnen und Journalisten bildet der Zürcher Zeitungsverbund das grösste Redaktionsnetzwerk im Kanton Zürich. Die organisatorische Neuaufstellung führt aber leider voraussichtlich auch zum Abbau einzelner Vollzeitstellen. Die notwendigen Anpassungen werden so weit wie möglich über die natürliche Fluktuation, interne Wechsel oder andere Anschlusslösungen vollzogen. Andernfalls wird ein Sozialplan zur Anwendung kommen. Sämtliche Massnahmen stehen unter dem Vorbehalt der Konsultation.»

In welchen Bereichen haben die vier Zeitungen schon zusammengearbeitet?
Bänninger: «‚Der Landbote‘, ‚Zürichsee-Zeitung‘ und ‚Zürcher Unterländer‘ sind Teil der Zürcher Regionalzeitungen und arbeiten in diesem Verbund seit Jahren zusammen. Mit dem ‚Tages-Anzeiger‘ teilen sich die Regionalzeitungen bisher Texte aus den Ressorts Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport, Leben, Wissen und Recherche. Neu kommt jetzt die Zusammenarbeit auf Zürcher Ebene dazu.»

Tamedia schreibt ausserdem, dass die vier Titel «autonom» bleiben sollen. Wie kann die Eigenständigkeit gewährleistet werden? Was unterscheidet die einzelnen Zeitungen?
Bänninger: «Die Titel bleiben weiterhin individuelle Zeitungen mit eigenen Profilen, die sich unterschiedlich positionieren und entsprechend der Interessen ihrer eigenen Leserschaft andere Schwerpunkte setzen. Zum ‚Tages-Anzeiger‘ gehört zum Beispiel ein umfangreicherer Auslandteil, und auch die Berichterstattung aus der Stadt ist deutlich detaillierter. Die Regionalzeitungen sind sehr nah an ihren Gemeinden und decken weiterhin ihre Regionen ab. Zudem hat jede Zeitung ihre eigene Redaktion an ihrem eigenen Standort.»

Tamedia will mit dem Zürcher Zeitungsverbund «Grössenvorteile» nutzen. Warum wurde dieser Zeitungsverbund nicht schon früher gegründet?
Bänninger: «Die Marktsituation hat sich in den letzten Jahren stark verändert und neue Rahmenbedingungen und Anforderungen hervorgerufen. Zudem sind solche Neuorganisationen und Kooperationen hochkomplex, die sorgfältig geprüft und ausgearbeitet werden müssen.»

Inwiefern ist der Zeitungsverbund Teil des 70-Millionen-Sparpakets von Tamedia?
Bänninger: «Es ist ein Teilprojekt.»

Benjamin Geiger steigt auf zum Leiter des Zeitungsverbundes. Wird er damit Chef der beiden «Tages-Anzeiger»-Co-Chefredaktoren Mario Stäuble und Priska Amstutz?
Bänninger: «Ja, als Verantwortlicher des Zeitungsverbunds ist Benjamin Geiger Vorgesetzter der Co-Chefredaktion des ‚Tages-Anzeigers‘. Seine zusätzliche Funktion ist aber vor allem eine organisatorische.»