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Freitag
26.08.2016

Medien / Publizistik

«Publizistik bleibt für uns identitätsstiftend»

Unter der Leitung von Res Strehle plant Tamedia-Verleger Pietro Supino ab 2017 ein Qualitätsmonitoring der eigenen publizistischen Medien. Dabei gehe es Supino aber nicht um Kontrolle der Chefredaktionen, sondern um eine «permanente, offene Diskussion», wie er dem Klein Report sagt. Die Ansprüche an «Tages-Anzeiger» oder «20 Minuten» sind dabei unterschiedlich.

Nach den aktuellen Halbjahreszahlen hat Tamedia ausgerechnet in seinem Kerngeschäft, der Publizistik, mit rückläufigem Umsatz und Gewinn zu kämpfen. Am gleichen Tag folgt die Meldung, dass ab dem nächsten Jahr ein Qualitätsmonitoring eben dieser publizistischen Medien geplant ist.

Ist der Verleger mit der Qualität im publizistischen Bereich unzufrieden? «Im Gegenteil - ich bin stolz auf die tägliche Leistung unserer Redaktionen», dementiert Pietro Supino. Die Idee zu diesem Projekt habe er schon lange mit sich herumgetragen, erklärt er weiter: «Einerseits beschäftigt mich die Frage, wie ich meine verlegerische Verantwortung wahrnehmen kann. Andererseits werden in der Qualitätsdiskussion oft nicht die richtigen Fragen gestellt.»

Manchmal gehe es mehr um Strukturpolitik und den Versuch, auf unabhängige Medien Einfluss zu nehmen, so sein Eindruck. Dabei erachtet er die Qualitätsdiskussion als berechtigtes Anliegen. Vor bald zwei Jahren eröffnete sich schliesslich die Gelegenheit zur Umsetzung seiner Idee: «Als Res Strehle die Führung des `Tages-Anzeigers` abgeben wollte, konnten wir die Thematik, über die wir uns oft ausgetauscht haben, grundsätzlich angehen», erklärt Supino dem Klein Report weiter.

Zunächst wird das Projekt im Oktober und November versuchsweise bei den Zürcher Regionalzeitungen ZRZ sowie «Le Matin Dimanche» gestartet. Ein Dreiergremium, bestehend aus der jeweiligen Chefredaktion, einer externen Expertin und Projektleiter Res Strehle sollen an zufälligen Stichtagen «regelmässige Audits» durchführen.

Waren die Redaktionen in den letzten Jahren an einer zu langen Leine, braucht es mehr Kontrolle? «Das wäre ein Missverständnis», verneint Supino klar. «Es geht um eine permanente, offene Diskussion auf der Basis von Fakten und klaren Kriterien. Das gehört bereits heute zu unserer Kultur, aber mit dem Projekt möchten wir den Prozess systematisieren und damit die Qualität der Qualitätsdiskussion verbessern.»

Der Massstab, der bei «Tages-Anzeiger» oder «20 Minuten» angelegt wird, ist aber nicht gleich lang. Bei der Pendlerzeitung sei beispielsweise - im Unterschied zu anderen Medien aus dem Tamedia-Hause - der «investigative Journalismus untergeordnet», so der Verleger. «Die Differenzierung nach verschiedenen Medientypen und das Messen am eigenen Anspruch ist entscheidend für eine konstruktive Qualitätsdiskussion», meint Pietro Supino abschliessend gegenüber dem Klein Report.