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Donnerstag
29.9.2016

Medien / Publizistik

Vom Rekordergebnis mit einem Gewinn von 334 Millionen Franken zu «unausweichlichen» Sparmassnahmen in nur einem Jahr: Bei Tamedia wird der rote Stift angesetzt, insgesamt 31 Stellen werden in der Westschweiz gestrichen oder nicht neu besetzt. Den Gewerkschaften stösst daran sauer auf, dass Geld aus dem Unternehmen genommen wird, anstatt in die eigenen Titel zu investieren.

Bei «24 heures» wurden insgesamt 16 Kündigungen ausgesprochen, bei der «Tribune de Genève» waren es weitere acht Kündigungen. «Bei der `Tribune de Genève` werden zudem zwei offene Stellen nicht neu besetzt und fünf Mitarbeitende werden pensioniert», zählt Patrick Matthey, Kommunikationsverantwortlicher bei Tamedia, für den Klein Report zusammen.

Damit reagiert Tamedia auf einen Anzeigenrückgang um 14 Prozent. Anstatt weiter ins rückläufige Geschäft zu investieren, ziehen die Verantwortlichen des Medienunternehmens in Zürich die Notbremse: «Der weltweite Trend der rückläufigen Print-Werbung lässt sich nicht umkehren», meint Patrick Matthey. Die «Tribune de Genève» schreibe «bereits heute rote Zahlen» und auch «24 heures» würde ohne Massnahmen «im kommenden Jahr in die Verlustzone abrutschen».

Noch vor kurzer Zeit meinte Tamedia-Verleger Pietro Supino, in die Publizistik investieren zu wollen. Doch nun passiert in der Westschweiz genau das Gegenteil. Lässt Tamedia ihr Kind, die Publizistik, nun langsam aushungern? - «Wir glauben an die Zukunft der Publizistik und investieren deshalb ganz bewusst in neue Angebote», verneint Patrick Matthey vehement.

«Neue Angebote» heisst in diesem Fall digitale Angebote. Im Gegensatz zu Print werde das digitale Angebot laufend weiterentwickelt. «Das tun wir beispielsweise mit dem Projekt Le Matin du Soir, dem Web-first-Ansatz bei `24 heures` und `Tribune de Genève` oder dem neuen Team Digital Sales und Development, das die Vermarktung digitaler Angebote vorantreiben wird», führt Patrick Matthey dazu aus.

Digitales Angebot hin oder her, klar ist, dass Tamedia-CEO Christoph Tonini in diesem Jahr nicht mit einem Bonus von 6,1 Millionen Franken rechnen darf. «In diesem Jahr werden die Boni deutlich tiefer ausfallen, genauso wie auch das Ergebnis von Tamedia», sagt Patrick Matthey abschliessend zum Klein Report.