Content:

Freitag
24.09.2021

Medien / Publizistik

«Die Schweizer Medien sind wie noch nie vom Staat kontrolliert», behauptete ein «Tages-Anzeiger»-Leser als Reaktion auf die Rede von Sommaruga... (Bild: Klein Report)

Die Eröffnungsrede von Simonetta Sommaruga am Swiss Media Forum war den Medien nur eine Randnotiz wert: Der «Tages-Anzeiger» beispielsweise publizierte nur eine kurze SDA-Meldung zu den Worten der Medienministerin. Ganz anders sah es hingegen in der Kommentarspalte aus.

Darin liessen sich die Leserinnen und Leser des «Tages-Anzeigers» grösstenteils negativ über das Medienförderungspaket und über Schweizer Medien aus. Der Klein Report hat die ersten acht Lesermeinungen angeschaut, analysiert und trendmässig zusammengefasst. 

«Was soll denn schlecht an Medienschelte sein?», reagierte der Leser Marc Forster in den Kommentaren auf den Satz von Sommaruga, dass Medienschelte mittlerweile zum guten Ton gehöre. Forster war einer der Ersten, der seine Meinung in den Spalten unterhalb des Artikels kundtat.

«Wenn die Öffentlichkeit den Medien (und ihren Kampagnen) nicht mehr kritisch auf die Finger schauen kann, gibt es keine freien, pluralistischen und selbstkritischen Medien mehr», fügte er seinem Kurzkommentar warnend und zugleich belehrend an.

Zu einem weitaus längeren Beitrag fühlte sich eine Person berufen, die sich nur «F.K.» nennt: «Die Schweizer Medien sind wie noch nie vom Staat kontrolliert. Das kann man jeden Tag an der Berichterstattung und Kommentierung ablesen. Wo es brenzlig wird, werden die Zusammenhänge unterdrückt», behauptete F.K. voller Überzeugung.

Als aktuelles Beispiel für diese haarsträubende Bemerkung verweist die anonyme Person auf den Zuschlag der Österreichischen Bundesbahnen an den Schweizer Zughersteller Stadler Rail.

Die Presse schreibe diesen «Skandal als einen Formfehler schön», schrieb F.K. weiter und erklärte in mehreren langen Sätzen, wie dieser gescheiterte Deal angeblich mit Gesetzen über elektronische Unterschriften und der fehlenden EU-Mitgliedschaft der Schweiz zusammenhänge.

«Die Presse tut so, als gäbe es keine grösseren Zusammenhänge, oder sie hat so naive Redaktoren, dass sie diese nicht erkennen und folglich nicht erklären können. Diese Personalpolitik scheint dem Bundesrat zu gefallen, denn der Bundesrat spricht Millionen für die Information über die Medien an die Bevölkerung. Das ist absolut skurril», lautete das krumme Fazit von F.K.

Wiederum etwas kürzer und auch etwas diplomatischer fällt der Kommentar von Torsten Jütte aus, der sich direkt dem Thema Geld widmet. «Subventionen aus Bern, also die finanzielle Abhängigkeit vom Bund, stärke die Vielfalt und Unabhängigkeit der Medien», paraphrasierte Jütte Bundesrätin Simonetta Sommaruga, bevor er nachschob: «Kann man so sehen, muss man aber nicht.»

Zudem würden die Geschäftsberichte von Tamedia und anderen grossen Verlagshäusern «transparent und umfassend» Auskunft zur Frage geben, ob «eine finanzielle Unterstützung durch die Steuerzahlenden angezeigt ist», schrieb «Tages-Anzeiger»-Leser Torsten Jütte weiter.

Der letzte Kommentar zum Artikel stammt aus der Feder von Marc-Reto Wirth: «Die Realität ist, dass die Medien, insbesondere Medienschaffende, für sich in Anspruch nehmen, über die Hoheit der Meinungsführerschaft zu gebieten», ist Wirth überzeugt.

«Als Folge davon ist eine (politisch) ausgewogene und/oder kontradiktorische Berichterstattung (Stichwort ‚Pro und Kontra’) immer seltener anzutreffen, ganz im Gegenteil, Medien werden – auch im redaktionellen Teil – immer mehr gezielt für ‚Campaigning’ von Interessengruppen eingesetzt», beschrieb Wirth die Realität aus seiner Sicht.

Zuletzt fügte er noch an: «Besonders stossend ist dies, wenn eine monopolähnliche staatliche Medieninstitution (SRF) dazu genutzt wird.»