Sieben Verhandlungsrunden hat es gebraucht, bis sich die Delegationen des Verbands für visuelle Kommunikation, Viscom, und der Gewerkschaften Syndicom und Syna Ende Mai auf einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) geeinigt haben. Nachdem die Mitglieder der Sozialpartner dem Regelwerk am Wochenende zugestimmt haben, kann der neue GAV für die grafische Industrie per 1. Juli in Kraft treten.
«Mit diesen Kompromissen», schreiben Syndicom und Syna in einer gemeinsamen Medienmitteilung, «beweisen die Gewerkschaften ihr Verständnis für die schwierige Situation im Druckgewerbe, die teils der technologischen Entwicklung, teils der Globalisierung und dem starken Schweizer Franken geschuldet ist.»
Gleichzeitig würden sie ihre Ansicht bekräftigen, «dass der Strukturkrise andere Massnahmen entgegengesetzt werden müssen als eine Verlängerung der Arbeitszeit, mit der die Überkapazitäten in der grafischen Branche nur noch weiter erhöht werden», so die Gewerkschaften zum neuen GAV.
Viscom-Direktor Thomas Gsponer betonte derweil in einer Mitteilung, dass es der neue GAV den Unternehmen erlaube, besser auf die konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen zu antworten. «Trotz grosser Bedenken gegenüber einer Einschränkung der Koalitions- und Vertragsfreiheit» habe sich der Verband einverstanden erklärt. Dies, weil der Viscom vertrete, «dass der enorme Preiswettbewerb auf dem Binnenmarkt von den Schweizer Unternehmen über Qualitätsleistungen, Kundenzufriedenheit und Innovationen, nicht aber über ein Unterbieten von Sozialstandards, zu gewinnen» sei.
Als ausgewogenen Kompromiss betrachtet schliesslich Viscom-Präsident Peter Edelmann den neuen GAV, wobei er insbesondere «die grössere betriebliche Autonomie in der Gestaltung der Arbeitszeiten» als positiv wertet. Ein Wermutstropfen sei dagegen die Tatsache, dass im Bereich des Zeitungsdrucks keine Reduktionen der Zuschläge habe durchgesetzt werden können.