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Samstag
07.11.2020

Medien / Publizistik

Die fünf Grossverleger unter Kostendruck: Man sei in punkto Qualität heute «auf dem aufsteigenden Ast», sagte Verleger Pietro Supino (unten rechts) in der «Elefantenrunde».

Am zweiten Tag des Swiss Media Forums haben die Verleger auf die Kritik an ihrer Sparstrategie reagiert, mit der Swatch-Chef Nick Hayek sie tags zuvor überzogen hatte.

«Sparen ist normal, in jedem Unternehmen», stellte Felix Graf, CEO der NZZ-Mediengruppe, gleich zu Beginn klar, als ihm Maria Victoria Haas, die die Herren-Runde souverän moderierte, die Kritik von Hayek nochmals unter die Nase rieb.

Die Kritik am «reinen Kostensparen» verstehe er sehr gut, so Graf, der einst bei McKinsey gearbeitet hat. Daher setze die NZZ auf Journalismus und versuche nicht, den Journalismus anderweitig zu finanzieren. So zum Beispiel mit dem Expansionskurs nach Deutschland, wo neue journalistische Einnahmeströme erschlossen würden, die auch das Geschäft in der Schweiz mitfinanzierten.

Zum Stichwort «Sparen» unterbreitete die Moderatorin Pietro Supino, VR-Präsident der TX Group, einen Satz, der kürzlich in den Tamedia-Medien publiziert worden sei, inklusive Tippfehler, und zwar gleich mehrerer.

Supino parierte mit Verweis auf die hauseigenen Leitlinien «Qualität in den Medien». Man sei punkto Qualität heute «nicht auf dem absteigenden, sondern auf dem aufsteigenden Ast», ja, die Qualität sei heute höher als sie je war.

Der Umfang sei «in etwa gleich geblieben», wenn man die verschwundenen Inserate subtrahiere. Neu ist für Pietro Supino, dass heute «das Gleiche nicht mehr mehrmals getan» werde.

Wir erinnern uns: Nick Hayek hatte tags zuvor Patrik Müller, Chefredaktor der Zentralredaktion von CH Media, an den Kopf geworfen: «Wenn ich investieren will, brauche ich eine Zeitung mit Profil und nicht einen Chefredaktor für drei Zeitungen.»

Für Peter Wanner, Verleger CH Media, hatte der Swatch-Chef in seiner angriffigen Art einen wunden Punkt getroffen. In den Verlagshäusern gäbe es «zu viele McKinsey-Manager». Natürlich seien die Sparrunden wegen Corona nötig. Aber man müsse der Marke Sorge tragen. «Sparen ist Pflicht, aber Produktentwicklung ist Kür!»

Wanner nutzte den Schwung auch gleich noch für einen Seitenhieb gegen die geplante Online-Förderung: Wolle man, dass der Lokaljournalismus nicht vor die Hunde gehe, müsse man im Gesetzes-Entwurf die Holding-Klausel streichen.

Dass das Gesetz die Kleinen proportional stärker fördern will als die Grossverlage, hatte der CH-Media-Verleger bereits im August in einem Beitrag in seinen Zeitungen wortreich kritisiert. Und damit unter den Verlegern für Zündstoff gesorgt, wie der Klein Report berichtete.

Dass bei den Medien nur «totgespart» werde, sei schlicht falsch, sagte Marc Walder, CEO Ringier, in Richtung Hayek. Klar, Sparrunden seien überlebenswichtig in der Transformation. «Es wird nie mehr so viele Medienpublikationen geben, wie es mal gegeben hat.»

Aber es werde eben auch investiert, zum Beispiel bei Watson oder bei 20 Minuten mit dem neuen Video-Format «Now!», das am Donnerstag lanciert worden war und das Walder ganz gelungen dünkte. Oder natürlich beim eigenen Online-Sender Blick TV.

Und SRG-Generaldirektor Gilles Marchand sprach schliesslich davon, dass es nicht nur darum gehe, die Kosten zur reduzieren. Sondern vor allem darum, «die Zukunft anders zu denken».